the end.

December 20, 2010

the end.

the end.

liebe leser, (wer immer das auch war, oder noch ist)

das war’s dann, an dieser stelle. in wenigen tagen verlasse ich mit meinem sohn paul den kontinent und tingle ein bisschen durch asien. verzögerungstaktik, denn wer will schon im winter in deutschland sein? wir werden im märz ankommen. wo wir grade sind und was wir dort machen, kann man hier verfolgen: www.mit-rucksack-und-kind.de

“wir sagen dankeschön – und auf wiedersehn,/ schau sie mal wieder rein, denn etwas show muss sein,/ seien sie mit dabei, wenn es heisst bühne frei…”

oder so ähnlich…

Advertisements

facebook hat grade die beliebsten wörter in den statusangaben der australischen facebook benutzer gekürt: auf platz 3 liegt “zumba”, diese mischung aus salsa tanzen und gymnastik machen, auf platz 2 liegt “krebs” – und der gewinner ist: “justin bieber”. was sagt uns das? a)die facebook nutzer sind jung, denn wer über 12 jahren mag schon justin bieber, b) krebs ist weitverbreit in der australischen gesellschaft, auch wenn jeder immer meint, ihn könne es nicht treffen. australien hat das ozonloch (hautkrebs), jede menge staub (nicht gut für die atemwege und lunge), noch immer etliche häuser mit asbestdächern, und kümmert sich generell nicht um umweltverschmutzung. da bringt es dann auch nichts, wenn es nur wenige raucher gibt. (das sind alles vermutungen und beobachtungen, statistiken habe ich noch nicht befragt) c)auch hier haben sie einen fitnessfimmel – obwohl dünn sein nicht glücklich macht, wie mir robert cummins, experte für lebenszufriedenheit, von der deakin universität erzählte.

Formen des Sterbens

December 7, 2010

Dieses Jahr war gepraegt von Bergbauungluecken. Doch Minenunfälle hat es schon immer gegeben. In Broken Hill, dem Geburtsort von bhp-billiton, kann man diverse Formen des Sterbens betrachten.

Der Staub kriecht in die Nase, in die Ohren, legt sich über die Augen. Man muss ständig blinzeln, es könnte auch an der Sonne liegen. Sie blendet, selbst dann, wenn sie von der roten Erde reflektiert wird. der Friedhof von Broken Hill liegt am Highway. Die Autos und Trucks donnern vorbei, raus aus Broken Hill, in Richtung weite Welt. Die Autos, die nach Broken Hill hineinfahren, sind langsamer, als würden sie sich an die Geschwindkeit des Landlebens anpassen. Broken Hill ist eine alte Minenstadt im Outback. Die nächste Stadt ist Adelaide, 650 Kilometer nordöstlich gelegen. Dazwischen gibt es nur kleine Dörfer, die aus einer Handvoll Häuser bestehen. Broken Hill ist die Heimat von bhp-billiton, dem Bergbaugiganten. bhp, das steht für Broken Hill Proprietary. Hier mitten im Nirgendwo fing alles an. Auf dem Friedhof kann man nicht nur die Geschichte der Firma verfolgen, sondern auch jegliche Formen des Sterbens in Minen kennenlernen.

George Urquart war einer der sieben Gründer von bhp. „Das Syndikat der Sieben“ hat man sie genannt. Die sieben Männer arbeiteten zusammen auf der Schaffarm Mount Gipps Station. Charles Rasp kontrollierte die Weidezäune an den Grenzen der Farm, sie umfasste knapp 3600 Quadratkilometer, in etwas die Größe von Mallorca. Rasp war ein deutscher Chemiker, der aus gesundheitlichen Gründen 1869 nach Australien auswanderte. Eines Tages im September 1883, entdeckte er etwas, das er für Zinn hielt in einem Gebiet, das der Entdecker Charles Stuart als „Broken Hill“ in einem Tagebuch bezeichnete. Die gebrochenen Hügel gibt es längst nicht mehr, sie sind abgetragen worden. Stattdessen wird die Stadt von einer riesigen Dreckhalde zerteilt, die die Bergbauarbeiten im Laufe der Jahrhunderte hinterlassen haben. Die Stadt ist organisch um die Halde herumgewachsen. Hier war es, wo die erste Mine der Stadt entstand. Die Stadt sitzt auf dem Silber-Bleierz.

1885 stiess das Syndikat der Sieben auf Erz, nur ein Jahr später starb der erste Arbeiter. John Vaugham war noch ein Kind, kaum 14 Jahre alt. Er schuftete als Erzsortierer im Block 13, als er in eine Grube fiel. Die Kopfverletzungen waren toedlich.

Weisse Kakadus sitzen in den Eukalyptusbäumen auf dem Friedhof, drehen ihre Runden über den Gräbern. Zikaden zirpen unablaessig. Auf den Gräbern lieben Plastikblumen unter Glasglocken, doch selbst sie sind rötlich-braun vom Wüstensand eingestaubt.

“Es gab nur drei grosse Unglücke in den Minen von Broken Hill”, sagt Stan Goodman. Der ehemalige Kumpel hat die zehn Jahre damit verbracht, die tote Bergarbeiter zu katalogisieren. Er hat Verwandte, deren Überreste noch Untertage liegen und er selbst hat Leute verloren, als er Vorarbeiter war. Später war er Sicherheitsbeauftragter und kennt all die Probleme, die es auch heute noch gibt. Einbrechende Stollen sei die Haupttodesursache sagt er. Rund 800 Leute kamen in den Minem von Broken Hill seit 1885 ums Leben, neun davon starben beim schwersten Ungluexk, dass die Stadt erlebt hat, im September 1895.

Vermutlich war es ein Tag wie jeder andere fuer William Arthur, der von seinen Freunden wohl Bill genannt wurde. Zum Frühstück machte seine Frau Porridge, er verabschiedete sich mit einem Kuss von seinen drei Kindern und dann fuhr er an das südliche Ende von Broken Hill, zur South Silver Mine. Er arbeitet unter Tage, gemeinsam mit acht Anderen. Die Gänge in 400 Fuss Tiefe waren mit Holz ausgkleidet, es roch feucht und muffig. Ploetzlich flog Bill durch die Luft, kracht gegen die Wand, seine Rippen brachen. Ein Stollen war eingestürzt und die Luftdruckwelle die durch den Gang rauschte, toetete Bill und seine Kollegen. Nur sechs Jahre später passierte das nächste Unglück: Ein Stollen begrub sechs Arbeiter unter sich.Wieder war es in der South Mine. “In der North Mine wurde erst viel später mit dem Abbau begonnen, da hatte man schon aus den Unfällen der South Mine gelernt”, so Goodman.

Broken Hill war eine Boomstadt. Sie hatte 1891 bereits 21000 Einwohner. Während des ersten Weltkrieges als Erz überall begehrt war, arbeiten 10 000 Menschen im Bergbau – nie wieder sollten es so viele sein. Doch niemand weiss, wieviele von ihnen an de Spätfolgen ihres Jobs gestorben sind: Lungenkrankheiten, Rauchvergiftungen, zu viel Blei im Blut. Auch Goodman hat keine Ahnung, er hat nur Unfallopfer in seine Statstik aufgenommen. John Georg Armitt wurde vermerkt. Er trat früh in die Fußstapfen seines Vaters, der auch Kumpel war. Doch bereits im Alter von 12 Jahren starb er an einer Rauchvergiftung verursacht durch die Sprengungen im Stollen und das nicht-vorhandene Belüftungssystem.

Die Arbeitsbedingungen in den Minen waren katstrophal. “Viele starben auch an Herzinfarkten, weil die Arbeit so hart war”, sagt Goodman. Percy Brookfield hat das um die Jahrhundertwende selbst erfahren. Bevor er in die Politik ging, war auch er Bergarbeiter. Er wusste, wofür er kämpfte, als er sich 1916 für eine 44Stunden Woche einsetzte. Auf dem Friedhof steht ein Monument ihm zu Ehren. Lange konnte man den Job in den Anfangszeiten des Bergbaus trotzdemmnicht machen, der Körper laugte schnell aus. Doch mit den Maschinen, die sie Arbeit erleichterten, verschwanden die Jobs. Während in den 50ern noch 5000 Menschen vom Erz lebten, sind es heute grade mal 300. Anfang des Jahres standen über 500 der 8000 Gebäude der Stadt zu Verkauf. Die Chloride Street und Sulphur Street und Bromide Street sind wie leergefegt, kaum jemand verirrt sich nach Broken Hill. In der Mitte der Stadt thront die Gedenkstätte für die verstorbenen Kumpel auf der Halde, ein Mahnmal ohne Publikum.

Am hinteren Ende des Friedhofs liegt die bekannteste Persönlichkeit dee Stadt begraben, der Maler Charles “Pro” Hart. Auch er ein Bergarbeiter, der nebenbei malte. Haeufiges Motiv: Minenschaechte. Hinter Pro Harts letzter Ruhestätte steht eine Ansammlung schwarz gekleideter Menschen unter einem Pavillion, vor ihnen ein frisch ausgehobenes Grab, der Bereich aussenrum ist mit Kunstrasen ausgelegt. Zwei Mädchen schlendern an mir vorbei, ihr schwarzen Lackschuhe voller Staub. “Was sollen wir jetzt machen?” fragte eine von ihnen. “Wir gehen zu mir und legen uns in den Pool, was sonst?”

der englische tonfall

November 26, 2010

mein mitbewohner sagt, mein sohn würde ihn ständig beschuldigen. anstatt zu sagen: “could you tell me where the ball is?”, sagt er: “what have you done with the ball?”, das höflichste, was man aus ihm herausbekommt ist: “have you seen the ball?” zugegeben, mein mitbewohner ist etwas empfindlich, immerhin ist mein sohn erst sechs jahre alt. aber man merkt meinem sohn eben doch an, dass deutsch seine muttersprache ist und englisch eine fremdsprache, auch wenn er grade besser englisch als deutsch spricht.

im deutsche bestimmt das “du” und “sie” den grad an höflichkeit. nie würde man sagen “wo haben sie denn den ball hingetan?”, es klingt tatsächlich nach vorwurf. dagegen ist “wo hast du denn den ball hin (getan)?” vollkommen okay. jedenfalls dort, wo ich aufwuchs. im englischen gibt es aber kein “du” und “sie”. jeder ist “you” – nur der tonfall verändert sich. aber das versteht man als ausländer nicht auf anhieb. man übersetzt alle deutschen “du” sätze ins englische: “what have you done with the ball.”

die australier sagen: “you germans are rude and grumpy.” ich frage mich, ob das vielleicht ein sprachliches missverständnis ist. andererseits müssten sie das dann von den franzosen auch denken – aber vielleicht verstehen sie deren englisch einfach nicht? oder von den spaniern – aber die sind ja wirklich “rude”, einfach zu temperamentvoll.

arbeit

November 8, 2010

und was habe ich in letzter zeit so gearbeitet? ich habe jede menge online kram gemacht. chronologisch rückwärts: grade habe ich für das zdf über die wahlen in burma geschrieben, denn vor kurzem war ich selbst im grenzgebiet zwischen thailand und burma und habe mich dort mit den flüchtlingen über ihre zukunft unterhalten. genau in jener region, wo es nun radau und krawalle gibt: in mae sot, auf der thailändischen seite der “friendship bridge”.

zuvor hatte ich ebenfalls für das zdf über das 25-jährige jubiläum der rückgabe von uluru/ayers rock berichtet, eine bildergalerie zur geschichte der gleichberechtigung (von aborigines und australiern) gehört auch dazu.

bei meinem radiosender habe ich die letzten wochen damit verbracht, die webseite meiner show “barometer” zu basteln. jetzt ist sie zumindest auf dem aktuellen stand, und sieht nicht nach friede-blümchen-peace klischee aus. allerdings hat mir meine chefin gestern gestanden, dass es keinen gibt, der die seite weiterführen könnte, wenn ich in sechs wochen abreise. was eine schande! dabei ist es doch nur ein wordpress blog.

vor kurzem hat mir jemand, der grade nach australien eingewandert ist, seine zeitung geschenkt. eine (nun) zwei monate alte frankfurter allgemeine sonntagszeitung.

heute morgen musste ich dem kinderameisenhaufen in unserem haus entkommen, habe mich in die frühlingssonne gesetzt, das papier hat geknistert als ich es ausbreitete, ich habe die stinkenden autos (keine emissionsbeschränkungen), die tief fliegenden flugzeuge (einflugschneise) und die klickende solaranlage vergessen – und muse walten lassen.

in dieser meiner (uralten) fas vom 5.9. hat claudius seidl ueber sarrazins geplapper und die kindererziehung im lande geschrieben (überschrift: die katastrophe hat laengst begonnen). er erzählt, wie die mütter der mittelschicht ihre kinder durch die stadt kutschieren, um sie auf anständige schulen zu schicken und sie somit integration verhindern. denn es brauche eine mehrheit um eine minderheit zu integrieren. wenn aber die mehrheit ihre kinder aus dem bunt durchmischten stadtviertel entfernt, um sie auf “bessere” schulen zu bringen, geht das konzept nicht auf. sarrazin empfiehlt: kindergartenpflicht, strenge, disziplin.

nun denn – hier bin ich, in australien, bekannt für multikulti. die mehrheit, die ganze nation, besteht hier aus minderheiten. die australier, die eigentlich in der dritten generation italienier sind, oder in der zweiten vietnamesen oder binational, weil mama deutsche und der vater australier ist.

mein sohn geht hier zur schule. zur schule können kinder mit 4,5 jahren gehen, aber davor gibt es keine kinder-ablade-stelle. jedenfalls keine staatlich organisierte. das ist alles in privater hand und dementsprechend teuer. wie teuer? zwei mal pro woche, morgens für drei stunden betreuung, ohne essen, 10 wochen lang (ein quartal) kostet rund 600 dollar, 450 euro. ist also nichts mit der kindergartenpflicht, die sarrazin vorschlägt.

und schulpflicht? gibt es auch nicht. es gibt bildungspflicht. aber das ist ja definitionssache. was ist bildung? als ich kürzlich meine eltern zu besuch kamen, und wir ein bisschen das land erkundeten, war mein sohn 10 tage vom unterricht abwesend. und was sagen die lehrer dazu? PRIMA, beim reisen lernen die kinder so viel, über die umwelt und soziale werte – das ist viel besser als schule! ich erinnere mich, dass meine eltern, vor 20 jahren, jedes mal eine standpauke erhalten haben, wenn sie uns zwei tage vor dem offiziellen ferienbeginn schon in den urlaub entführten. ich nehme an, das hat sich nicht geändert, denn bevor ich deutschland verliess, ende 2009, mein sohn war 5,5 jahre alt, hatte ich bereits zwei briefe einer schule im briefkasten, die mich belehrten, ich müsste meinen sohn anmelden, und falls es nicht passiert, müssten sie mich dem schulverwaltungsamt melden. als ich dort anrief und sagte, wir gehen ins ausland, wurde mir mitgeteilt, ich müsste eine schulbescheinigung von dort beibringen – aber schulbescheinigungen? hahaha, die gibt es hier nicht. zeugnisse im übrigen auch nicht. jedenfalls nicht in den ersten klassen.

eigentlich, gibt es nicht einmal klassen. kinder im alter von 5 bis 7 jahren sitzen in einem raum und “lernen” zusammen. ich schreibe lernen in anführungszeichen, da ich, mit meiner deutschen engstirnigkeit, es nicht als lernen bezeichnen kann. es entspricht der vorschulklasse im deutschen kindergarten. sie malen und basteln und lernen ein paar buchstaben. von mathe hat mir mein sohn noch nie etwas erzählt. wörter richtig schreiben, ist auch ziemlich egal. dafür gibt es “show and tell”, eine veranstaltung, bei der jedes kind, immer morgens, einen gegenstand mitbringen muss und darüber etwas erzählen. sie lernen vortragen, small talk und ganz nebenbei die kultur der anderen kennen. denn in der klasse sitzen alle hautfarben und augenformen. und jeder kommt irgendwie durch die schule. nach deutschem masstab würden wir sagen: es herrscht schludrian. nichts mit strenge und disziplin. ausser bei den schuluniformen, die müssen immer schön getragen werden. äußerliche einheit der klassen, schul – wie auch sozialen klassen.

nun denn, öffentliche schule. vielleicht lernen (ohne anführungszeichen) die kinder auf der privaten etwas, dachte ich mir, und sprach mit einer bekannten, die 1000$ pro monat für die schule ihres kindes zahlt. “was machen die schule so besonders, was ist das beste?” fragte ich sie. und sie erzählte, dass die lehrer mit den kindern in den park gehen und käfer sammeln, um sie unter der lupe zu betrachten. ich wusste nicht, ob ich darüber lachen oder heulen sollte – das ist das beste an einer schule, die 12000 $ oder 9000 euro pro jahr kostet? das hat mein sohn im kindergarten gemacht, als er vier war. dort hatten sie auch einen gemüsegarten; hasen, um die sie sich kümmern konnten, und eine französisch gruppe. öffentlicher kindergarten, zum normalen satz, im osten deutschlands.

mmhh… ich bin voreingenommen, dachte ich, und sprach mit einer deutschen, die ich zufällig kennenlernte und die lehrerin ist. sie arbeitet an einer schule, die mindestens 15 000$ im jahr kostet, für die unteren klassen, die höheren klassen sind teurer. “es entspricht dem niveau einer normalen deutschen schule”, sagt sie.

bildung, im deutschen sinne, gibt es also nur gegen cash. integration, im un-deutschen sinne, gibt es hingegen für umme.

was machen die hier, was wir nicht machen? hier gibt es ein willkommensprogramm für kinder. neu angekommene kinder, die kein englisch können, gehen zu “new-arrival-programms” (naps) , wo sie intensiv englisch lernen, in kleinen gruppen. die naps finden aber nicht irgendwo im asylbewerberheim oder sonstwo im halbdunkeln statt, sondern in den ganz normalen schulen. die kinder lernen die sprache also unabhängig von den eltern und durchmischen sich gleichzeitig mit den anderen “australiern” oder australiern-to-be. und das ist das zweite was die australier haben, was wir nicht haben. oder besser umgekehrt. die australier sind keine kulturnation, tragen keine nationale bürde vom holocaust, sind nicht die nation der philosophen und denker. die australier haben weniger kulturelle arroganz (aka stolz) als wir deutschen. was die australier gemeinsam haben ist, dass sie alle einwanderer sind, und jeder von ihnen einmal ganz von vorne anfangen musste.

alle, außer einer gruppe: den aborigines. sie sind die unintegrierte problemgruppe. sie hat niemand willkommen geheissen (wie auch, es war ja ihr land) und sie kommen in kein nap programm. schlimmer, sie haben eigene schulen, wo ihre eltern sie nicht hinkarren können, weil sie im knast sitzen oder sonstwie abwesend sind. auch in einer ansammlung von minderheiten gibt es eine gruppe, die die ultimative minderheit ist.

this is not the end.

October 26, 2010

long time no see. ich war nicht untergetaucht, die schweinegrippe hat mich erwischt. natürlich habe ich mich vergangenes jahr nicht dagegen impfen lassen. “ha! das ist doch alles übertrieben, so schlimm kann es gar nicht sein”, dachte ich mir. leider war es aber genauso schlimm. schwupps fand ich mich vollkommen dehydriert und halluzinierend im krankenhaus wieder.

jetzt bin ich wieder draußen, könnte aber den ganzen tag schlafen. ich hatte ganz vergessen, wie es ist wenn man richtig krank ist. wir jammern ja ganz gerne schon über eine klitzekleine erkältung und ein bißchen pms. um dem leiden ein ende zu setzen, habe ich beschlossen, heute einen neuen anfang zu feiern. heute vor 25 jahren wurde uluru, von den ignoranten auch als ayers rock bezeichnet, an die aborigine zurückgegeben. als käptn cook die küste von australien erreichte, war er ja der festen meinung, dass der kontinent niemandsland sei, dass nur darauf gewartete hatte, in beschlag genommen zu werden. die paar eingeborenen hatten ja nicht mal kleidung, wie konnten sie land besitzen? und schwupps, war australien ein teil englands. je nach bundesstaat und -territorium hat es unterschiedlich lange gedauert, bis es den einwanderern dämmerte, dass ihnen da einen fehler unterlaufen ist. im northern territory wurden den aborigine 1976 landrechte zuerkannt, aber das gesetz galt nicht auf dem gebiet von nationalparks, wo aber uluru liegt. erst jahre später schaffte man ein paar lücken im gesetz und gab den anangu ihren heiligen berg wieder, die ihn aber fuenf minuten spaeter fuer 99jahre an die bundesregierung zurückverpachtete. anyway, sie duerfen mitreden und das war ja schon mal ein anfang. grund zum feiern also. theoretisch.

gestern habe ich mit yami lester telefoniert, der aborigine, der bei der übergabe von uluru zwischen dem governor-general und dem rest uebersetzt hat. er hatte einen schlaganfall und liegt im krankenhaus. harry nelson, ein anderer aborigine, der zum management board des nationalparks gehört, macht grade sorry business und musste zentralaustralien verlassen, weil sein neffe einen freund getötet hat (im vollrausch), die polizei einschritt und nun die familien im dorf sich bekriegen, weil das sorry business, die aborigine-art mit solchen ereignissen umzugehen, nicht beendet wurde. weil sich alle bekriegt haben, hat die polizei die hälfte des dorfes, knapp 100 leute in ein paar busse gesteckt und in die nächste stadt, nach alice springs, gebracht. in ein town camp. im town camp leben überwiegend leute, die nichts mehr zu verlieren haben, die neuankömmlige wurden nicht willkommen geheissen. weshalb sie sich neue busse organisierten, und ein paar wagen (niemand weiß, wie sie das geschafft haben) und die 1600km nach adelaide hinter sich gebracht haben. hier sind sie nun, leben in einem matrazenlager in einem gemeindehaus, keiner fühlt sich zuständig. die polizei in alice springs sagt, es sei nicht mehr ihr problem, jene in adelaide sagt, die menschen gehören zurück in ihr dorf, wo sie aber “hausverbot” haben, die obdachlosen in adelaide sagen, die aborigine würden bevorzugt behandelt, weil sie sofort ein dach über dem kopf bekommen haben.

so weit zum fortschritt im gegenseitigen verständnis der whitefalls und blackfellas. krankheit, kriminalität, verderben. happy 25th anniversary!

da schreibe ich in den letzten posts über journalismus den keiner mehr bezahlen will und wie hier medienorganisationen stellung beziehen und nun stolpere ich vergangene woche über das allerschönste beispiel von missachtung journalistischer ethik auf allen ebenen. scheinbar zumindest.

eine freundin hatte mich zu einem vortrag geschleppt, auf den ich schon aufgrund des reißerischen titels (“The Lie that Built an Intervention”) nicht hingehen wollte. die “Intervention” bezeichnet eine reihe von regierungsmassnahmen, die der kindesmisshandlung, dem alkoholmissbrauch und der allgemeinen verwahrlosung der aborigines im northern territory einhalt gebieten sollen. wieso nur der aborigines im northern territory (nt) ? es das hat mehrere gründe

1.liegt es daran, dass das nt kein bundesstaat ist, wie z.b. südaustralien, sondern ein bundesterritorium. als solches hat es keine vollkommene legislative gewalt, will sagen, die bundesregierung darf für das nt gesetze erlassen, aber nicht für andere bundesstaaten.

2. das nt ist viermal so groß wie deutschland, hat aber nur rund 250 000 einwohner, ein drittel davon sind aborigines. keine andere region australien hat einen so hohen anteil an aborigines. die meisten davon wiederum leben nicht in den großen städten, sondern “in the bush”, irgendwo weit abseits von allem. die lethargie dort ist unbeschreiblich. ich arbeite  mit leuten zusammen, die schon draußen “on the lands” waren und von bezinschnüffelnden kindern, zusammengeschlagenen frauen und spielsüchtigen männern berichten.

die probleme der aborigines sind schon seit jahrzehnten bekannt, immer mal wieder gibt es eine neue untersuchung und neue maßnahmen. so auch der “little children are sacred” bericht, der im august 2006 von der howard-regierung in auftrag gegeben wurde, knapp sechs wochen nach einem bericht von abc lateline, einem investigativem nachrichtenprogramm. die abc, die öffentlich-rechtliche rundfunkanstalt, hat danach für sich proklamiert, dieser bericht “sparked the nt intervention”.

chris graham aber sagt, der bericht sei eine lüge. wobei lüge hier eine definitionssache ist. sagen wir: einige details sind der journalistischen arbeitsweise zum opfer gefallen. zum einen stehen journalisten ja unter enormen zeitdruck, da kann es nun eben mal passieren, dass man es nicht schafft, überhaupt an den ort zu kommen, über den man bericht. im zentrum des lateline bericht steht mutitjulu, eine aborigine community von 400 menschen, die im schatten des berühmten touristenzieles uluru a.k.a ayers rock liegt. 20km von mutitjulu entfernt gibt es für die touristen ein kleines vier-sterne-urlaubsdortf namens yulara. die produzenten des berichts haben es nie nach mutitjulu geschafft, nicht mal in die nähe. ihre bilder haben sie aus altem filmmaterial zusammengeschnitten, bzw. andere bilder stellvertretend benutzt. so zeigen sie z.b. jemanden, der benzin schnüffelt, eine staubige straße entlang laufen, im hintergrund eine gebirgslandschaft, die es aber in mutitjulu nicht gibt. nun denn, könnte man argumentieren, wenn es in mutitjulu aber auch benzinschnüffler gibt, dann war es vollkommen okay, die bilder zu nutzen. sie zeigen auch menschen, der gesichter sie verpixeln, deren namen sie aber nennen – eine ironie, denn bei 400 menschen kennt natürlich jeder jeden. okay, blöd gelaufen, da hat jemand nicht nachgedacht, jemand der eben in der vier-millionen-einwohner stadt sydney lebt, wo es mehr als einen “warren” gibt.

ist das alles was graham in petto hat, dachte ich mir. aber nein! es geht noch weiter, und da weiß ich nun nicht, ob ich darüber lachen oder heulen soll. die geschichte die lateline erzählt, handelt von einem mann, der benzin gegen sex mit minderjährigen tauscht, und dass ihn jeder kennt, aber aufgrund seiner stellung als ein stammesältester nicht verrät und auf diese weise ein organisierter sexhandel gedeckt wird.

was die geschichte aber nicht erzählt ist, dass

a)der mann um den es geht, acht monate vor austrahlung des berichts aus mutitjulu rausgeworfen wurde – wie konnten sie dass auch wissen, sie waren ja nie da und ihre aborigine zeugin, mantatjara wilson, hat selbst vor drei jahren mutitjulu verlassen. woher weiß graham das? er war da und hat nachgefragt! graham war jahrelang redakteur der “national indigenous times” und hat daher beste beziehungen zu aborigines, anders als ich, oder vermutlich 99 prozent der journalisten im land, hat er keine probleme eine besuchserlaubnis (die brauch man im nt, wenn man aborigine land betreten will) zu erhalten und mit leuten zu reden. man kennt ihn. was sagt die abc dazu? die sagt, sie hätten keine besuchserlaubnis erhalten. die behörde, die diese erlaubnisse ausstellt wiederum sagt, die abc hätte nie einen antrag gestellt. aussage  gegen aussage gegen aussage. meine meinung ist: bei einesm so brisanten bericht hätten sie dort hinfahren müssen, oder vorher klar machen, dass sie nicht dort waren, denn das erfährt man im bericht nicht.

b)dass die (weißen) ärzte des gesundheitszentrums dem mann über jahre hinweg viagra verschrieben, obwohl sein verhalten bekannt war, ein vermerk auf seiner akte war und sie von andere mitarbeitern darauf hingewiesen wurden. woher weiss graham das? jemand hat ihm die gesundheitsakte des mannes zugespielt.

c) dass der arzt, den lateline als zeuge nutzt, einer von diesen viagra-verschreibenden ärzten war, seine unterschrift ist in der akte. was sagt er dazu? es tut ihm leid. welche stellung hat er heute? er ist arzt an der maningrida clinic.

d) dass der andere zeuge, der als anonymer sozialarbeiter betitelt wird, tatsächlich der regierungsmitarbeiter greogory andrews ist, der nie in mutitjulu gelebt hat, sondern in der ressortstadt yulara, von wo er aus ab und an nach mutitjulu pendelte. wie konnte er erkannt werden? er war bekannt für einen hut den er trug, denselben, den er auch im beitrag abhat. abc hat zugegeben in fälschlicherweise als sozialarbeiter porträtiert zu habe. abc ist der meinung, dass man auch als pendelnder eine gute einsicht in die community hat. ich bezweifle das ja. aber vielleicht bin ich in dieser hinsicht auch zu sehr ethnologin. ich glaube, wenn man nicht gemeinsam mit den leuten im dreck geschlafen hat, dann weiß man nur die hälfte über sie. ist es nicht überall so, dass die nacht die besten geschichten erzählt?

und noch einiges mehr, dass ich vergessen habe. aber unten sind die links zum original vortrag. und die untersuchung der abc dazu steht hier.

wer ist eigentlich dieser chris graham? hier eine selbstbeschreibung:

By way of background about me, I am a Canberra-based journalist. I was the founding editor and still one of the owners of the National Indigenous Times newspaper. I’ve been in the media for more than 20 years, and started as a copyboy at the Sydney Morning Herald in the late 80s.

I’m a Walkley Award winning journalist – in 2004, I won a Walkley High Commendation for a series of articles which revealed the NSW lost and stolen wages and savings fraud. I also won a Human Rights Award – Print Media Category for the same articles. In 2005 I won the Excellence in Indigenous Affairs Reporting category in the Walkley Awards for a series of articles based on leaked federal cabinet documents. This story, infamously, saw the Australian Federal Police raid my home (a recurring theme!) and office trying to find the source of the leak.

was lernt man daraus: wenn man nur eine quelle hat, ist es keine story, sondern ein hören-sagen. man lernt, dass man eben doch lügt, wenn man sachen nicht erwähnt.  man lernt auch, dass man in vier wochen keine exklusivreportage über kindesmissbrauch machen kann, wenn man es nicht schafft vor ort zu sein. man lernt, wie wichtig es ist, vor ort zu sein und mit den menschen zu reden, über die man berichtet. man könnte gar so weit gehen zu sagen, dass man über koloniale verhältnisse im australischen journalismus lernt, denn ich finde, dass die wahre geschichte ist “ärzte verschreiben 70jährigem stadtbekanntem sex-straftäter viagra – über das dysfunktionale gesundheitssystem out bush”. man lernt, dass auch die öffentlich-rechtlichen fehler machen. man lernt viel über persönlichkeiten und ausreden. man lernt, dass man nicht erst eine idee haben sollte und sich dann alle gesprächspartner dazu zusammen sucht, um dann daraus etwas zu basteln. man lernt, dass man vorher die richtigen fragen stellen muss. man lernt den schwarzen peter kennen, von allen seiten.

und hier noch ein disclaimer: auch ich habe an dieser stelle grahams punkte nicht überprüft. ich finde die ganze sache ein schönes und trauriges beispiel, wie journaisten arbeiten, und wie unverständlich diese arbeitsweise für so manchen zuschauer ist. alle artikel, die “the australian” zum thema veröffentlicht hatten, erscheinen mit einem “404 error – page not found”, abgesehen von diesem hier. darin wird beschrieben, dass es eine beschwerde über den beitrag beim ABC internen “independent review panel” gab, und von 30 beschwerden 29 zurückgewiesen wurden. dieser bericht steht, wie oben bereits erwähnt, hier. ich finde, der untersuchungsausschuss hat es sich etwas einfach gemacht, in dem er viele aussagen als pure “meinungen” umdeklariert, die keine faktenbasis benötigen.

zu diskutieren wäre dann noch: wenn man besuchserlaubnisse braucht, um aborigine ländereien besuchen zu dürfen, wie kann über diese regionen berichtet werden, wenn den journalisten solche genehmigungen verweigert werden. wer kommt rein und wer nicht? oder gilt für diese “gated communities” das gleiche, wie für jene, die mit sicherheitszäunen und wachmännern ausgestattet sind: what happens inside, stays inside?

hier die links zu chris vortrag, den jemand vor ein paar wochen in melbourne gefilmt hat:

teil 1 (einfuehrung von tjanara goreng goreng, die dokumente gestohlen und weitergegeben haben soll, die den bericht von lateline entlarven)

teil 2 (einfuehrung von chris graham)

teil 3 (analyse)

teil 4 (über die rolle des arztes)

teil 5 (die folgen)

teil 6 (fragen aus dem publikum)

die auslandskorrespondenten der taz proben den aufstand. wunderbar! fuer mich ist dieses jahr in adelaide meine erste erfahrung als “auslandskorrespondentin”. ich traue mich gar nicht das wort ohne anfuehrungszeichen zu schreiben, denn aus dem regen berichten ist (aus meiner sicht) nicht viel geworden. nun denn, dachte ich anfangs, australien ist das ende der welt, da muss ich mich langsam heran tasten, an das was die herren und damen redakteure interessieren koennte. das erste halbe jahr war dementsprechend unproduktiv. es dauert ja auch eine weile ein informantennetzwerk im land aufzubauen.

aber dann wurde kevin rudd abgesetzt und alles ging schlag auf schlag, wahlen, verhandeln, stillstand. verhandeln und stillstand war auch bei mir angesagt. na klar, wahlberichterstattung wird man los ohne lange nach einem aufhänger suchen zu müssen. aber zu welchem preis? da stehen honorar und stress in einem solchen missverhaeltnis, dass ich beschlossen habe, das gleich wieder sein zu lassen. ich finde, man muss sich fuer seinen job nur bis zu einem gewissen grad erniedrigen.

“The most underused words in the news business today: let’s pass on that.”

schreibt dean starkman hat in der columbia journalism review ueber das hamsterrrad:

The Hamster Wheel isn’t speed; it’s motion for motion’s sake. The Hamster Wheel is volume without thought. It is news panic, a lack of discipline, an inability to say no. It is copy produced to meet arbitrary productivity metrics (Bloomberg!). It is “Sheriff plans no car purchases in 2011,” (Kokomo Tribune, 7/5/10). It is “Ben Marter’s Home-Cooked Weekend,” (Politico, 6/28/10): “Saturday morning, he took some of the leftover broccoli, onions, and mushrooms, added jalapenos, and made omeletes for a zingy breakfast.” Ben Marter is communications director for a congresswoman. It’s live-blogging the opening ceremonies, matching stories that don’t matter, and fifty-five seconds of video of a movie theater screen being built: “Wallingford cinema adding 3 screens (video),” (New Haven Register, 6/1/10). But it’s more than just mindless volume. It’s a recalibration of the news calculus. Of the factors that affect the reporting of news, an underappreciated one is the risk/reward calculation that all professional reporters make when confronted with a story idea: How much time versus how much impact? This informal vetting system is surprisingly ruthless and ultimately efficient for one and all. The more time invested, the bigger the risk, but also the greater potential glory for the reporter, and the greater value to the public (can’t forget them!). Do you fly to Chicago to talk to that guy about that thing? Do you read that bankruptcy examiner’s report? Or do you do three things that are easier?

und was kommt raus, wenn alle immer fein weiter im hamsterrad rennen? krishna bharat, der typ, der google news gegruendet hat, beschreibt es in the atlantic:

The Google News front page is a kind of air-traffic-control center for the movement of stories across the world’s media, in real time. “Usually, you see essentially the same approach taken by a thousand publications at the same time,” he told me. “Once something has been observed, nearly everyone says approximately the same thing.” He didn’t mean that the publications were linking to one another or syndicating their stories. Rather, their conventions and instincts made them all emphasize the same things. This could be reassuring, in indicating some consensus on what the “important” stories were. But Bharat said it also indicated a faddishness of coverage—when Michael Jackson dies, other things cease to matter—and a redundancy that journalism could no longer afford.

und leisten koennen sich das viele ja heute schon nicht mehr: “spesen? nee, geht nicht.”  und ich weiss schon gar nicht mehr, wer mir mehr leid tut: wir freien, oder die redakteure, die immer mit schlechtem gewissen im nacken, das honorar weitergeben, am ende meist ein “es tut mir leid” dran haengen, als waere es eine kondolenzbekundung. in gewissen sinne ist es ja auch eine.

ich habe ein paar artikel des nieman reports ueber die zunkunft der auslandsberichterstattung gelesen. dort schreibt john sawyer,vom pulitzer center on crises reporting, einer organisation, die auslandsberichterstattung unterstuetzen:

We’ve had projects in which we provided $15,000 and up in travel costs and journalists invested weeks or months of work—and national news media outlets have paid $1,000 or less for the articles they have published. An urgent part of our mission has become the identification of income streams for our journalists—from payment for talks we arrange on college campuses to the provision of income within our journalism grants themselves.

ergo: als journalist lebt man nicht mehr von dem honrar, dass man fuer einen text bekommt. um den text zu schreiben, muss man vorher sponsoren suchen oder spenden sammeln gehen, wie doug struck erzählt. weil das geld aber nie reicht, muss man neue netzwerke schaffen und alte umfunktionieren. und am ende könnten doch die menschenrechtsbeobachter die besseren journalisten sein, weil sie näher am menschen dran sind, und all das erfahren, was der freie korrespondent, der nur für diese eine story kommt, nie hören wird.

fazit:

What is clear in this experimentation is that foreign news coverage and correspondents no longer conform to a single elite model such as dominated the profession in the last century. Given the dedication and daring of innovators, new methods for gathering and delivering foreign news will continue to emerge.

ich nehme an, dass das aber etwas ist, was die streikenden taz-korrespondenten so weder hören, noch einsehen wollen. ich würde mich auch freuen, wenn das alles ein hässlicher traum wäre. dennoch sitze ich hier in australien, aufenthalt selbsorganisiert, finanziert vom besser stipendium der studienstiftung des deutsche volkes, versichert über die uni, am leben erhalten durch gute freunde.

veranschaulichung

September 14, 2010

das beverly hills australiens heisst “mosman” und liegt im norden sydneys. heute hat das statistische bundesamt die zahlen über das einkommen in unterschiedlichen stadt- und landesregionen des kontinents veroeffentlicht. die daten in zusammenspiel mit google street view, ueber das sich hier keiner aufregt, ergibt extrem anschaulichen journalismus, wie “the punch” hier bewiesen hat. einbrecher herzlich willkommen, kann ich nur sagen.

obwohl ich nach meinem studium nie als geografin gearbeitet habe (die techniken aus der ethnologie waren für den journalismus meist brauchbarer), kann ich mich doch immer noch für karten, und die art und weise, wie sie menschen und ganze gesellschaften manipulieren können, begeistern. über die macht der karte und googles (wechselndem) umgang damit, hat vor ein paar wochen john gravis berichtet. google hat nicht nur unterschiedliche suchmaschinen in unterschiedlichen ländern, sondern auch unterschiedliche landkarten für unterschiedliche regime, je nachdem wer anspruch auf was erhebt. muss ganz schön anstregend sein, jedem gefallen zu müssen. dabei gibt haben wir doch 471 kabel tv sender die sich um “life, liberty and pursuit of happiness” kümmern sollten – um mit clemens kogler zu sprechen.

eines meiner lieblingsvideos, von clemens kogler, “le grand content”

auf eine gewisse weise sind diese powerpoint präsentation auch karten, thematische karten eben. und kogler schafft es, die wichtigsten fragen des lebens in einem flussdiagramm zu versammeln. “feelings, mistakes and butts are things that we dare not to bare in public.”

und wo wir schon bei karten und öffentlichkeit sind, noch diese hier von mark edward campos:  eine karte der geraeuschlandschaft von new york. ich bin ganz hin und weg von der synthäsie. und ich frage mich, ob man irgendwann bei google ein geräusch einlesen kann, und die suchmaschine einem sagt, woher in der welt es stammt, weil sie aus dem hintergrund sprachen und kulturtypische sounds rausfiltern kann. das wäre ganz praktisch, um herauszufinden, ob der ehemann nun tatsächlich am flughafen in shanghai sitzt, oder doch nur mit seiner geliebten in einem penthouse in new york, wo er beim telefonieren das fenster geöffnet hat.