arbeit

November 8, 2010

und was habe ich in letzter zeit so gearbeitet? ich habe jede menge online kram gemacht. chronologisch rückwärts: grade habe ich für das zdf über die wahlen in burma geschrieben, denn vor kurzem war ich selbst im grenzgebiet zwischen thailand und burma und habe mich dort mit den flüchtlingen über ihre zukunft unterhalten. genau in jener region, wo es nun radau und krawalle gibt: in mae sot, auf der thailändischen seite der “friendship bridge”.

zuvor hatte ich ebenfalls für das zdf über das 25-jährige jubiläum der rückgabe von uluru/ayers rock berichtet, eine bildergalerie zur geschichte der gleichberechtigung (von aborigines und australiern) gehört auch dazu.

bei meinem radiosender habe ich die letzten wochen damit verbracht, die webseite meiner show “barometer” zu basteln. jetzt ist sie zumindest auf dem aktuellen stand, und sieht nicht nach friede-blümchen-peace klischee aus. allerdings hat mir meine chefin gestern gestanden, dass es keinen gibt, der die seite weiterführen könnte, wenn ich in sechs wochen abreise. was eine schande! dabei ist es doch nur ein wordpress blog.

die auslandskorrespondenten der taz proben den aufstand. wunderbar! fuer mich ist dieses jahr in adelaide meine erste erfahrung als “auslandskorrespondentin”. ich traue mich gar nicht das wort ohne anfuehrungszeichen zu schreiben, denn aus dem regen berichten ist (aus meiner sicht) nicht viel geworden. nun denn, dachte ich anfangs, australien ist das ende der welt, da muss ich mich langsam heran tasten, an das was die herren und damen redakteure interessieren koennte. das erste halbe jahr war dementsprechend unproduktiv. es dauert ja auch eine weile ein informantennetzwerk im land aufzubauen.

aber dann wurde kevin rudd abgesetzt und alles ging schlag auf schlag, wahlen, verhandeln, stillstand. verhandeln und stillstand war auch bei mir angesagt. na klar, wahlberichterstattung wird man los ohne lange nach einem aufhänger suchen zu müssen. aber zu welchem preis? da stehen honorar und stress in einem solchen missverhaeltnis, dass ich beschlossen habe, das gleich wieder sein zu lassen. ich finde, man muss sich fuer seinen job nur bis zu einem gewissen grad erniedrigen.

“The most underused words in the news business today: let’s pass on that.”

schreibt dean starkman hat in der columbia journalism review ueber das hamsterrrad:

The Hamster Wheel isn’t speed; it’s motion for motion’s sake. The Hamster Wheel is volume without thought. It is news panic, a lack of discipline, an inability to say no. It is copy produced to meet arbitrary productivity metrics (Bloomberg!). It is “Sheriff plans no car purchases in 2011,” (Kokomo Tribune, 7/5/10). It is “Ben Marter’s Home-Cooked Weekend,” (Politico, 6/28/10): “Saturday morning, he took some of the leftover broccoli, onions, and mushrooms, added jalapenos, and made omeletes for a zingy breakfast.” Ben Marter is communications director for a congresswoman. It’s live-blogging the opening ceremonies, matching stories that don’t matter, and fifty-five seconds of video of a movie theater screen being built: “Wallingford cinema adding 3 screens (video),” (New Haven Register, 6/1/10). But it’s more than just mindless volume. It’s a recalibration of the news calculus. Of the factors that affect the reporting of news, an underappreciated one is the risk/reward calculation that all professional reporters make when confronted with a story idea: How much time versus how much impact? This informal vetting system is surprisingly ruthless and ultimately efficient for one and all. The more time invested, the bigger the risk, but also the greater potential glory for the reporter, and the greater value to the public (can’t forget them!). Do you fly to Chicago to talk to that guy about that thing? Do you read that bankruptcy examiner’s report? Or do you do three things that are easier?

und was kommt raus, wenn alle immer fein weiter im hamsterrad rennen? krishna bharat, der typ, der google news gegruendet hat, beschreibt es in the atlantic:

The Google News front page is a kind of air-traffic-control center for the movement of stories across the world’s media, in real time. “Usually, you see essentially the same approach taken by a thousand publications at the same time,” he told me. “Once something has been observed, nearly everyone says approximately the same thing.” He didn’t mean that the publications were linking to one another or syndicating their stories. Rather, their conventions and instincts made them all emphasize the same things. This could be reassuring, in indicating some consensus on what the “important” stories were. But Bharat said it also indicated a faddishness of coverage—when Michael Jackson dies, other things cease to matter—and a redundancy that journalism could no longer afford.

und leisten koennen sich das viele ja heute schon nicht mehr: “spesen? nee, geht nicht.”  und ich weiss schon gar nicht mehr, wer mir mehr leid tut: wir freien, oder die redakteure, die immer mit schlechtem gewissen im nacken, das honorar weitergeben, am ende meist ein “es tut mir leid” dran haengen, als waere es eine kondolenzbekundung. in gewissen sinne ist es ja auch eine.

ich habe ein paar artikel des nieman reports ueber die zunkunft der auslandsberichterstattung gelesen. dort schreibt john sawyer,vom pulitzer center on crises reporting, einer organisation, die auslandsberichterstattung unterstuetzen:

We’ve had projects in which we provided $15,000 and up in travel costs and journalists invested weeks or months of work—and national news media outlets have paid $1,000 or less for the articles they have published. An urgent part of our mission has become the identification of income streams for our journalists—from payment for talks we arrange on college campuses to the provision of income within our journalism grants themselves.

ergo: als journalist lebt man nicht mehr von dem honrar, dass man fuer einen text bekommt. um den text zu schreiben, muss man vorher sponsoren suchen oder spenden sammeln gehen, wie doug struck erzählt. weil das geld aber nie reicht, muss man neue netzwerke schaffen und alte umfunktionieren. und am ende könnten doch die menschenrechtsbeobachter die besseren journalisten sein, weil sie näher am menschen dran sind, und all das erfahren, was der freie korrespondent, der nur für diese eine story kommt, nie hören wird.

fazit:

What is clear in this experimentation is that foreign news coverage and correspondents no longer conform to a single elite model such as dominated the profession in the last century. Given the dedication and daring of innovators, new methods for gathering and delivering foreign news will continue to emerge.

ich nehme an, dass das aber etwas ist, was die streikenden taz-korrespondenten so weder hören, noch einsehen wollen. ich würde mich auch freuen, wenn das alles ein hässlicher traum wäre. dennoch sitze ich hier in australien, aufenthalt selbsorganisiert, finanziert vom besser stipendium der studienstiftung des deutsche volkes, versichert über die uni, am leben erhalten durch gute freunde.

entdeckungen

August 19, 2010

wahltag

wahltag

 

uebermorgen sind wahlen – und mein gott bin ich froh, wenn sie vorueber sind und man endlich etwas anderes hoert und liest; und ich auch etwas anderes produzieren darf. ich hatte mich ganz gut darum herumgedrueckt, denn die ersten augustwochen habe ich beim australischen pendant des “informationsdienst wissenschaft” verbracht. doch diese woche musste ich dann doch raus auf die strasse. in suedaustralien gibt es zwei sitze, die am wackeln sind. einer davon ist sturt, wo der liberale schatten-bildunsgminister christopher pyne regiert. noch jedenfalls, denn die letzte wahl 2007 hat er nur mit 0.9 prozent vorsprung gewonnen. meine kollegin alice mckinnon und ich haben uns dort mal umgehoert. 

aber ich sehne mich seit geraumer zeit nach neuem input, und waehrend ich in dieser mission im netz unterwegs war, bin ich ueber alte sachen gestolpert. ich habe grade entdeckt, dass einige meiner stories aus dem radio transkribiert worden sind. auf nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass es sich bei der seite um eine not-for-profit seite handelt, die irgendeinen deal mit “the wire” , dem current affairs programm von radio adelaide, hat. immer schoen, so etwas erst im nachhinein zu erfahren. aber anscheinend geht es allen freelancern aehnlich. sehr beruhigend, zugleich aber unglaublich desillusionierend und auch etwas traurig, aber voller humor geschrieben, ist der bericht von richard morgan ueber seine sieben jahre freie arbeit. zum heulen wahr ist die zweite seite. 

danach musste ich erst recht weiter im netz surfen anstatt auch nur an irgendeinen job zu denken. dabei bin ich ueber die neuigkeit gestolpert, dass der englische “guardian” jetzt eine wahlversprechen-verfolgungs-application (oder schoen kurz in englisch> pledge-tracker) gestartet hat. na, das ist doch mal toll. hoffentlich importieren das die australischen medienorganisationen, dann koennten sie aufhoeren, waehrend des wahlkampfes das beschuldungsspiel (a.k.a. er war’s – sie war’s) zu spielen, denn jeder koennte nachschauen, welche versprechen die regierung nun erfuellt hat und welche nicht. die politiker faenden das sicher auch toll, denn ich glaube ja, dass sie vor lauter gerede auch ab und an ihre ziele aus den augen verlieren.

psst….

August 13, 2010

...psst...

...psst...

 

heute kam jemand in unser buero, der mehr wusste als alle anderen. eine netzwerkerin der ganz grossen sorte, pensionierte wissenschaftlerin, die ihre nase ueberall rein steckt, im netten sinn. politisch und wirtschaftlich unabhaengig, ohne agenda, ausser ihrer persoenlichen. 

jetzt weiss ich ganz viele sachen, die in den naechsten wochen passieren werden, aber ich darf es keinem sagen. mein kopf platzt vor ideen. ich platze vor freude. 

ist das nicht das schoene an diesem job? es ist wie frueher, als man noch klein war, und mit jedem geheimnisse geteilt hat. hinter vorgehaltener hand ins ohr gefluestert und dann gemeinsam gegiggelt. 

zugegeben, es macht nur mit manchen leuten spass, geheimnisse zu teilen. in so manche sache, hat man keine lust reingezogen zu werden. und auf so manchen verbuendeten, der einem unter vier augen, nur unter uns, etwas anvertraut, kann man gerne verzichten. 

aber: diese netzwerkerin konnte mit wenigen worte einem die augen oeffnen. 

psst… haste gehoert… nee… aha! aaaaaha! jetzt versteh ich endlich, warum…