arbeit

November 8, 2010

und was habe ich in letzter zeit so gearbeitet? ich habe jede menge online kram gemacht. chronologisch rückwärts: grade habe ich für das zdf über die wahlen in burma geschrieben, denn vor kurzem war ich selbst im grenzgebiet zwischen thailand und burma und habe mich dort mit den flüchtlingen über ihre zukunft unterhalten. genau in jener region, wo es nun radau und krawalle gibt: in mae sot, auf der thailändischen seite der “friendship bridge”.

zuvor hatte ich ebenfalls für das zdf über das 25-jährige jubiläum der rückgabe von uluru/ayers rock berichtet, eine bildergalerie zur geschichte der gleichberechtigung (von aborigines und australiern) gehört auch dazu.

bei meinem radiosender habe ich die letzten wochen damit verbracht, die webseite meiner show “barometer” zu basteln. jetzt ist sie zumindest auf dem aktuellen stand, und sieht nicht nach friede-blümchen-peace klischee aus. allerdings hat mir meine chefin gestern gestanden, dass es keinen gibt, der die seite weiterführen könnte, wenn ich in sechs wochen abreise. was eine schande! dabei ist es doch nur ein wordpress blog.

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wir, die am unteren ende

August 25, 2010

waehrend meines auswahlgespraechs bei der studienstiftung wurde ich gefragt, warum in zwanzig seiten bewerbungsunterlagen, mein sohn nur an zwei stellen auftauche. das gleiche koennte man fragen, nachdem man die eintraege dieses blogs gelesen hat. ich antworte mit einer gegenfrage: steht meine arbeit mit meiner rolle als mutter in zusammenhang? natuerlich wuerde ich das vehement verneinen. indes: heute ist mein sohn krank, liegt in meinem bett, schwitzt vor sich hin und jammert, wenn er wach ist. an arbeit ist nicht zu denken, denn babysitter (ausserhalb der kernfamilie) sind unbezahlbar. aus reiner neugierde habe ich den nannyservice aus dem telefonbuch angerufen und gefragt, wie hoch der satz ist: je nach ausbildung, anfahrt und schulung von 80 dollar aufwaerts. na danke!

erst vor ein paar tagen gab es mal wieder einen text ueber uns arme alleinerziehende. den gibt es ja jedes jahr mal und mein gott, was wuensche ich mir grade alleinerziehend in deutschland zu sein. da ist der babysitter jedenfalls erschwinglich, weil es das nachbarskind von oben macht, dass sich fuer arbeitsgesundheitsauflagen und haftpflichtversicherung nicht interessiert.

natuerlich fuehre ich mich selbst hinters licht, wenn ich behaupte, mutter sein und journalistin sein beeinflusse sich nicht. ich würde zum beispiel nur äußerst ungerne über erziehungs-hick-hack schreiben. ich finde man kann das recht schnell zusammenfassen: einer sagt a, der andere sagt b. und am ende macht jeder was er will.

mein freundliches anhaengsel beeinflusst auch meinen aktionsradius. denn seien wir mal ehrlich: alleinerziehende ziehen ihre kinder nicht wirklich alleine gross. das waere ja wahnsinn! da gibt es den kumpel, der mit dem kleinen fussball spielen geht, und die freundin, die ihn mit ins kino nimmt, und der onkel, mit dem er fischen gehen kann, und die oma, die ihn mit suessigkeiten vollstopft. da gibt es jede menge leute – und ohne die waere das leben nicht machbar. das heisst, ich kann nur dahin gehen, wo genuegend freunde sind. deshalb sitze ich nun in australien (weil ich hier schon mal gelebt habe und ganz viele fleissige helferlein habe), anstatt mich in amerika mit der richtigen weltpolitik zu befassen. in australien steht die welt still. genauso wie in buxtehude und all den anderen käffern – nur, dass hier der strand vor der tuer liegt und delfine auf den wellenreiten. es lebt sich doch viel besser in armut, wenn das drumherum jedenfalls was her macht.

ohnehin möchte ich keine fuenf tage die woche arbeiten gehen, selbst wenn es mich unglaublich reich machen wuerde. vier tage, und keine minute mehr. vier tage arbeit, zwei tage fuer das kind, und einen tag egoist. so wuerde es gehen, so muesste es sein, um dem zur-maschine-werden vorzubeugen. denn wenn man erstmal zur maschine mutiert ist, dann nuetzt einem auch all das geld nuescht. aber wo gibt es so einen job ? deshalb gehe ich der (leicht sadistischen) freien arbeit nach: australien? viel zu weit weg vom geschehen… australien? wenn dann bitte was mit dem great barrier reef und aborigines, am besten beides in einer geschichte… australien? gehört immer noch zu england, oder?

frei arbeiten heisst naemlich auch frei nicht-arbeiten. letzte woche haben mein sohn und ich gemeinsam geschwaenzt. er die schule, ich meine pflicht. wir sind an den strand gefahren, ich habe meinen gedanken beim verrueckt werden zugehoert, er hat versucht vor den wellen wegzurennen, dann haben wir eine sandburg gebaut und als das meer begann, sie anzunagen, haben wir sie kaputt gemacht. sind mittenrein gesprungen in die welt, die wir zuvor erschaffen hatten. das leben hat keinen sinn, da kann man jedenfalls noch spass haben, egal an welchem ende der leiter.

entdeckungen

August 19, 2010

wahltag

wahltag

 

uebermorgen sind wahlen – und mein gott bin ich froh, wenn sie vorueber sind und man endlich etwas anderes hoert und liest; und ich auch etwas anderes produzieren darf. ich hatte mich ganz gut darum herumgedrueckt, denn die ersten augustwochen habe ich beim australischen pendant des “informationsdienst wissenschaft” verbracht. doch diese woche musste ich dann doch raus auf die strasse. in suedaustralien gibt es zwei sitze, die am wackeln sind. einer davon ist sturt, wo der liberale schatten-bildunsgminister christopher pyne regiert. noch jedenfalls, denn die letzte wahl 2007 hat er nur mit 0.9 prozent vorsprung gewonnen. meine kollegin alice mckinnon und ich haben uns dort mal umgehoert. 

aber ich sehne mich seit geraumer zeit nach neuem input, und waehrend ich in dieser mission im netz unterwegs war, bin ich ueber alte sachen gestolpert. ich habe grade entdeckt, dass einige meiner stories aus dem radio transkribiert worden sind. auf nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass es sich bei der seite um eine not-for-profit seite handelt, die irgendeinen deal mit “the wire” , dem current affairs programm von radio adelaide, hat. immer schoen, so etwas erst im nachhinein zu erfahren. aber anscheinend geht es allen freelancern aehnlich. sehr beruhigend, zugleich aber unglaublich desillusionierend und auch etwas traurig, aber voller humor geschrieben, ist der bericht von richard morgan ueber seine sieben jahre freie arbeit. zum heulen wahr ist die zweite seite. 

danach musste ich erst recht weiter im netz surfen anstatt auch nur an irgendeinen job zu denken. dabei bin ich ueber die neuigkeit gestolpert, dass der englische “guardian” jetzt eine wahlversprechen-verfolgungs-application (oder schoen kurz in englisch> pledge-tracker) gestartet hat. na, das ist doch mal toll. hoffentlich importieren das die australischen medienorganisationen, dann koennten sie aufhoeren, waehrend des wahlkampfes das beschuldungsspiel (a.k.a. er war’s – sie war’s) zu spielen, denn jeder koennte nachschauen, welche versprechen die regierung nun erfuellt hat und welche nicht. die politiker faenden das sicher auch toll, denn ich glaube ja, dass sie vor lauter gerede auch ab und an ihre ziele aus den augen verlieren.

psst….

August 13, 2010

...psst...

...psst...

 

heute kam jemand in unser buero, der mehr wusste als alle anderen. eine netzwerkerin der ganz grossen sorte, pensionierte wissenschaftlerin, die ihre nase ueberall rein steckt, im netten sinn. politisch und wirtschaftlich unabhaengig, ohne agenda, ausser ihrer persoenlichen. 

jetzt weiss ich ganz viele sachen, die in den naechsten wochen passieren werden, aber ich darf es keinem sagen. mein kopf platzt vor ideen. ich platze vor freude. 

ist das nicht das schoene an diesem job? es ist wie frueher, als man noch klein war, und mit jedem geheimnisse geteilt hat. hinter vorgehaltener hand ins ohr gefluestert und dann gemeinsam gegiggelt. 

zugegeben, es macht nur mit manchen leuten spass, geheimnisse zu teilen. in so manche sache, hat man keine lust reingezogen zu werden. und auf so manchen verbuendeten, der einem unter vier augen, nur unter uns, etwas anvertraut, kann man gerne verzichten. 

aber: diese netzwerkerin konnte mit wenigen worte einem die augen oeffnen. 

psst… haste gehoert… nee… aha! aaaaaha! jetzt versteh ich endlich, warum…