arbeit

November 8, 2010

und was habe ich in letzter zeit so gearbeitet? ich habe jede menge online kram gemacht. chronologisch rückwärts: grade habe ich für das zdf über die wahlen in burma geschrieben, denn vor kurzem war ich selbst im grenzgebiet zwischen thailand und burma und habe mich dort mit den flüchtlingen über ihre zukunft unterhalten. genau in jener region, wo es nun radau und krawalle gibt: in mae sot, auf der thailändischen seite der “friendship bridge”.

zuvor hatte ich ebenfalls für das zdf über das 25-jährige jubiläum der rückgabe von uluru/ayers rock berichtet, eine bildergalerie zur geschichte der gleichberechtigung (von aborigines und australiern) gehört auch dazu.

bei meinem radiosender habe ich die letzten wochen damit verbracht, die webseite meiner show “barometer” zu basteln. jetzt ist sie zumindest auf dem aktuellen stand, und sieht nicht nach friede-blümchen-peace klischee aus. allerdings hat mir meine chefin gestern gestanden, dass es keinen gibt, der die seite weiterführen könnte, wenn ich in sechs wochen abreise. was eine schande! dabei ist es doch nur ein wordpress blog.

da schreibe ich in den letzten posts über journalismus den keiner mehr bezahlen will und wie hier medienorganisationen stellung beziehen und nun stolpere ich vergangene woche über das allerschönste beispiel von missachtung journalistischer ethik auf allen ebenen. scheinbar zumindest.

eine freundin hatte mich zu einem vortrag geschleppt, auf den ich schon aufgrund des reißerischen titels (“The Lie that Built an Intervention”) nicht hingehen wollte. die “Intervention” bezeichnet eine reihe von regierungsmassnahmen, die der kindesmisshandlung, dem alkoholmissbrauch und der allgemeinen verwahrlosung der aborigines im northern territory einhalt gebieten sollen. wieso nur der aborigines im northern territory (nt) ? es das hat mehrere gründe

1.liegt es daran, dass das nt kein bundesstaat ist, wie z.b. südaustralien, sondern ein bundesterritorium. als solches hat es keine vollkommene legislative gewalt, will sagen, die bundesregierung darf für das nt gesetze erlassen, aber nicht für andere bundesstaaten.

2. das nt ist viermal so groß wie deutschland, hat aber nur rund 250 000 einwohner, ein drittel davon sind aborigines. keine andere region australien hat einen so hohen anteil an aborigines. die meisten davon wiederum leben nicht in den großen städten, sondern “in the bush”, irgendwo weit abseits von allem. die lethargie dort ist unbeschreiblich. ich arbeite  mit leuten zusammen, die schon draußen “on the lands” waren und von bezinschnüffelnden kindern, zusammengeschlagenen frauen und spielsüchtigen männern berichten.

die probleme der aborigines sind schon seit jahrzehnten bekannt, immer mal wieder gibt es eine neue untersuchung und neue maßnahmen. so auch der “little children are sacred” bericht, der im august 2006 von der howard-regierung in auftrag gegeben wurde, knapp sechs wochen nach einem bericht von abc lateline, einem investigativem nachrichtenprogramm. die abc, die öffentlich-rechtliche rundfunkanstalt, hat danach für sich proklamiert, dieser bericht “sparked the nt intervention”.

chris graham aber sagt, der bericht sei eine lüge. wobei lüge hier eine definitionssache ist. sagen wir: einige details sind der journalistischen arbeitsweise zum opfer gefallen. zum einen stehen journalisten ja unter enormen zeitdruck, da kann es nun eben mal passieren, dass man es nicht schafft, überhaupt an den ort zu kommen, über den man bericht. im zentrum des lateline bericht steht mutitjulu, eine aborigine community von 400 menschen, die im schatten des berühmten touristenzieles uluru a.k.a ayers rock liegt. 20km von mutitjulu entfernt gibt es für die touristen ein kleines vier-sterne-urlaubsdortf namens yulara. die produzenten des berichts haben es nie nach mutitjulu geschafft, nicht mal in die nähe. ihre bilder haben sie aus altem filmmaterial zusammengeschnitten, bzw. andere bilder stellvertretend benutzt. so zeigen sie z.b. jemanden, der benzin schnüffelt, eine staubige straße entlang laufen, im hintergrund eine gebirgslandschaft, die es aber in mutitjulu nicht gibt. nun denn, könnte man argumentieren, wenn es in mutitjulu aber auch benzinschnüffler gibt, dann war es vollkommen okay, die bilder zu nutzen. sie zeigen auch menschen, der gesichter sie verpixeln, deren namen sie aber nennen – eine ironie, denn bei 400 menschen kennt natürlich jeder jeden. okay, blöd gelaufen, da hat jemand nicht nachgedacht, jemand der eben in der vier-millionen-einwohner stadt sydney lebt, wo es mehr als einen “warren” gibt.

ist das alles was graham in petto hat, dachte ich mir. aber nein! es geht noch weiter, und da weiß ich nun nicht, ob ich darüber lachen oder heulen soll. die geschichte die lateline erzählt, handelt von einem mann, der benzin gegen sex mit minderjährigen tauscht, und dass ihn jeder kennt, aber aufgrund seiner stellung als ein stammesältester nicht verrät und auf diese weise ein organisierter sexhandel gedeckt wird.

was die geschichte aber nicht erzählt ist, dass

a)der mann um den es geht, acht monate vor austrahlung des berichts aus mutitjulu rausgeworfen wurde – wie konnten sie dass auch wissen, sie waren ja nie da und ihre aborigine zeugin, mantatjara wilson, hat selbst vor drei jahren mutitjulu verlassen. woher weiß graham das? er war da und hat nachgefragt! graham war jahrelang redakteur der “national indigenous times” und hat daher beste beziehungen zu aborigines, anders als ich, oder vermutlich 99 prozent der journalisten im land, hat er keine probleme eine besuchserlaubnis (die brauch man im nt, wenn man aborigine land betreten will) zu erhalten und mit leuten zu reden. man kennt ihn. was sagt die abc dazu? die sagt, sie hätten keine besuchserlaubnis erhalten. die behörde, die diese erlaubnisse ausstellt wiederum sagt, die abc hätte nie einen antrag gestellt. aussage  gegen aussage gegen aussage. meine meinung ist: bei einesm so brisanten bericht hätten sie dort hinfahren müssen, oder vorher klar machen, dass sie nicht dort waren, denn das erfährt man im bericht nicht.

b)dass die (weißen) ärzte des gesundheitszentrums dem mann über jahre hinweg viagra verschrieben, obwohl sein verhalten bekannt war, ein vermerk auf seiner akte war und sie von andere mitarbeitern darauf hingewiesen wurden. woher weiss graham das? jemand hat ihm die gesundheitsakte des mannes zugespielt.

c) dass der arzt, den lateline als zeuge nutzt, einer von diesen viagra-verschreibenden ärzten war, seine unterschrift ist in der akte. was sagt er dazu? es tut ihm leid. welche stellung hat er heute? er ist arzt an der maningrida clinic.

d) dass der andere zeuge, der als anonymer sozialarbeiter betitelt wird, tatsächlich der regierungsmitarbeiter greogory andrews ist, der nie in mutitjulu gelebt hat, sondern in der ressortstadt yulara, von wo er aus ab und an nach mutitjulu pendelte. wie konnte er erkannt werden? er war bekannt für einen hut den er trug, denselben, den er auch im beitrag abhat. abc hat zugegeben in fälschlicherweise als sozialarbeiter porträtiert zu habe. abc ist der meinung, dass man auch als pendelnder eine gute einsicht in die community hat. ich bezweifle das ja. aber vielleicht bin ich in dieser hinsicht auch zu sehr ethnologin. ich glaube, wenn man nicht gemeinsam mit den leuten im dreck geschlafen hat, dann weiß man nur die hälfte über sie. ist es nicht überall so, dass die nacht die besten geschichten erzählt?

und noch einiges mehr, dass ich vergessen habe. aber unten sind die links zum original vortrag. und die untersuchung der abc dazu steht hier.

wer ist eigentlich dieser chris graham? hier eine selbstbeschreibung:

By way of background about me, I am a Canberra-based journalist. I was the founding editor and still one of the owners of the National Indigenous Times newspaper. I’ve been in the media for more than 20 years, and started as a copyboy at the Sydney Morning Herald in the late 80s.

I’m a Walkley Award winning journalist – in 2004, I won a Walkley High Commendation for a series of articles which revealed the NSW lost and stolen wages and savings fraud. I also won a Human Rights Award – Print Media Category for the same articles. In 2005 I won the Excellence in Indigenous Affairs Reporting category in the Walkley Awards for a series of articles based on leaked federal cabinet documents. This story, infamously, saw the Australian Federal Police raid my home (a recurring theme!) and office trying to find the source of the leak.

was lernt man daraus: wenn man nur eine quelle hat, ist es keine story, sondern ein hören-sagen. man lernt, dass man eben doch lügt, wenn man sachen nicht erwähnt.  man lernt auch, dass man in vier wochen keine exklusivreportage über kindesmissbrauch machen kann, wenn man es nicht schafft vor ort zu sein. man lernt, wie wichtig es ist, vor ort zu sein und mit den menschen zu reden, über die man berichtet. man könnte gar so weit gehen zu sagen, dass man über koloniale verhältnisse im australischen journalismus lernt, denn ich finde, dass die wahre geschichte ist “ärzte verschreiben 70jährigem stadtbekanntem sex-straftäter viagra – über das dysfunktionale gesundheitssystem out bush”. man lernt, dass auch die öffentlich-rechtlichen fehler machen. man lernt viel über persönlichkeiten und ausreden. man lernt, dass man nicht erst eine idee haben sollte und sich dann alle gesprächspartner dazu zusammen sucht, um dann daraus etwas zu basteln. man lernt, dass man vorher die richtigen fragen stellen muss. man lernt den schwarzen peter kennen, von allen seiten.

und hier noch ein disclaimer: auch ich habe an dieser stelle grahams punkte nicht überprüft. ich finde die ganze sache ein schönes und trauriges beispiel, wie journaisten arbeiten, und wie unverständlich diese arbeitsweise für so manchen zuschauer ist. alle artikel, die “the australian” zum thema veröffentlicht hatten, erscheinen mit einem “404 error – page not found”, abgesehen von diesem hier. darin wird beschrieben, dass es eine beschwerde über den beitrag beim ABC internen “independent review panel” gab, und von 30 beschwerden 29 zurückgewiesen wurden. dieser bericht steht, wie oben bereits erwähnt, hier. ich finde, der untersuchungsausschuss hat es sich etwas einfach gemacht, in dem er viele aussagen als pure “meinungen” umdeklariert, die keine faktenbasis benötigen.

zu diskutieren wäre dann noch: wenn man besuchserlaubnisse braucht, um aborigine ländereien besuchen zu dürfen, wie kann über diese regionen berichtet werden, wenn den journalisten solche genehmigungen verweigert werden. wer kommt rein und wer nicht? oder gilt für diese “gated communities” das gleiche, wie für jene, die mit sicherheitszäunen und wachmännern ausgestattet sind: what happens inside, stays inside?

hier die links zu chris vortrag, den jemand vor ein paar wochen in melbourne gefilmt hat:

teil 1 (einfuehrung von tjanara goreng goreng, die dokumente gestohlen und weitergegeben haben soll, die den bericht von lateline entlarven)

teil 2 (einfuehrung von chris graham)

teil 3 (analyse)

teil 4 (über die rolle des arztes)

teil 5 (die folgen)

teil 6 (fragen aus dem publikum)

die auslandskorrespondenten der taz proben den aufstand. wunderbar! fuer mich ist dieses jahr in adelaide meine erste erfahrung als “auslandskorrespondentin”. ich traue mich gar nicht das wort ohne anfuehrungszeichen zu schreiben, denn aus dem regen berichten ist (aus meiner sicht) nicht viel geworden. nun denn, dachte ich anfangs, australien ist das ende der welt, da muss ich mich langsam heran tasten, an das was die herren und damen redakteure interessieren koennte. das erste halbe jahr war dementsprechend unproduktiv. es dauert ja auch eine weile ein informantennetzwerk im land aufzubauen.

aber dann wurde kevin rudd abgesetzt und alles ging schlag auf schlag, wahlen, verhandeln, stillstand. verhandeln und stillstand war auch bei mir angesagt. na klar, wahlberichterstattung wird man los ohne lange nach einem aufhänger suchen zu müssen. aber zu welchem preis? da stehen honorar und stress in einem solchen missverhaeltnis, dass ich beschlossen habe, das gleich wieder sein zu lassen. ich finde, man muss sich fuer seinen job nur bis zu einem gewissen grad erniedrigen.

“The most underused words in the news business today: let’s pass on that.”

schreibt dean starkman hat in der columbia journalism review ueber das hamsterrrad:

The Hamster Wheel isn’t speed; it’s motion for motion’s sake. The Hamster Wheel is volume without thought. It is news panic, a lack of discipline, an inability to say no. It is copy produced to meet arbitrary productivity metrics (Bloomberg!). It is “Sheriff plans no car purchases in 2011,” (Kokomo Tribune, 7/5/10). It is “Ben Marter’s Home-Cooked Weekend,” (Politico, 6/28/10): “Saturday morning, he took some of the leftover broccoli, onions, and mushrooms, added jalapenos, and made omeletes for a zingy breakfast.” Ben Marter is communications director for a congresswoman. It’s live-blogging the opening ceremonies, matching stories that don’t matter, and fifty-five seconds of video of a movie theater screen being built: “Wallingford cinema adding 3 screens (video),” (New Haven Register, 6/1/10). But it’s more than just mindless volume. It’s a recalibration of the news calculus. Of the factors that affect the reporting of news, an underappreciated one is the risk/reward calculation that all professional reporters make when confronted with a story idea: How much time versus how much impact? This informal vetting system is surprisingly ruthless and ultimately efficient for one and all. The more time invested, the bigger the risk, but also the greater potential glory for the reporter, and the greater value to the public (can’t forget them!). Do you fly to Chicago to talk to that guy about that thing? Do you read that bankruptcy examiner’s report? Or do you do three things that are easier?

und was kommt raus, wenn alle immer fein weiter im hamsterrad rennen? krishna bharat, der typ, der google news gegruendet hat, beschreibt es in the atlantic:

The Google News front page is a kind of air-traffic-control center for the movement of stories across the world’s media, in real time. “Usually, you see essentially the same approach taken by a thousand publications at the same time,” he told me. “Once something has been observed, nearly everyone says approximately the same thing.” He didn’t mean that the publications were linking to one another or syndicating their stories. Rather, their conventions and instincts made them all emphasize the same things. This could be reassuring, in indicating some consensus on what the “important” stories were. But Bharat said it also indicated a faddishness of coverage—when Michael Jackson dies, other things cease to matter—and a redundancy that journalism could no longer afford.

und leisten koennen sich das viele ja heute schon nicht mehr: “spesen? nee, geht nicht.”  und ich weiss schon gar nicht mehr, wer mir mehr leid tut: wir freien, oder die redakteure, die immer mit schlechtem gewissen im nacken, das honorar weitergeben, am ende meist ein “es tut mir leid” dran haengen, als waere es eine kondolenzbekundung. in gewissen sinne ist es ja auch eine.

ich habe ein paar artikel des nieman reports ueber die zunkunft der auslandsberichterstattung gelesen. dort schreibt john sawyer,vom pulitzer center on crises reporting, einer organisation, die auslandsberichterstattung unterstuetzen:

We’ve had projects in which we provided $15,000 and up in travel costs and journalists invested weeks or months of work—and national news media outlets have paid $1,000 or less for the articles they have published. An urgent part of our mission has become the identification of income streams for our journalists—from payment for talks we arrange on college campuses to the provision of income within our journalism grants themselves.

ergo: als journalist lebt man nicht mehr von dem honrar, dass man fuer einen text bekommt. um den text zu schreiben, muss man vorher sponsoren suchen oder spenden sammeln gehen, wie doug struck erzählt. weil das geld aber nie reicht, muss man neue netzwerke schaffen und alte umfunktionieren. und am ende könnten doch die menschenrechtsbeobachter die besseren journalisten sein, weil sie näher am menschen dran sind, und all das erfahren, was der freie korrespondent, der nur für diese eine story kommt, nie hören wird.

fazit:

What is clear in this experimentation is that foreign news coverage and correspondents no longer conform to a single elite model such as dominated the profession in the last century. Given the dedication and daring of innovators, new methods for gathering and delivering foreign news will continue to emerge.

ich nehme an, dass das aber etwas ist, was die streikenden taz-korrespondenten so weder hören, noch einsehen wollen. ich würde mich auch freuen, wenn das alles ein hässlicher traum wäre. dennoch sitze ich hier in australien, aufenthalt selbsorganisiert, finanziert vom besser stipendium der studienstiftung des deutsche volkes, versichert über die uni, am leben erhalten durch gute freunde.

die gedanken sind frei

September 9, 2010

wie gerne reden wir von der unabhängigkeit der medien, von ausgewogener berichterstattung, und der vierten macht im staate. rupert murdochs zeitung “the australian”, die einzige nationale tageszeitung des kontinents, hält davon weniger. heute stand im editorial:

We believe he (Senator Bob Brown) and his Green colleagues are hypocrites; that they are bad for the nation; and that they should be destroyed at the ballot box.The Greens voted against Mr Rudd’s emissions trading scheme because they wanted a tougher regime, then used the lack of action on climate change to damage Labor at the election. Their flakey economics should have no place in the national debate. We are particularly tired of Greens senator Christine Milne arguing that “green jobs need a real green economy to grow in”. What on earth can she mean?

liebe redakteure des “australian”, was christine milne meint, hat vor über einem jahr bereits die abc erklärt, vielleicht wäre es doch mal ganz gut, ab und an die webseiten der konkurrenz aufzusuchen.

fakt ist, wie “the australian” schreibt, dass die grünen die vorschläge zum emissionshandel (damals unter rudd) zurückgewiesen haben – weil es ihnen a)nicht weit genug ging und b) der industrie zu viele zugeständnisse gemacht wurden.da beschweren sie sich in dem text darüber, dass julia gillard keine visionen hat und im gleichen atemzug kanzeln sie die grünen ab, weil die sich für ihre visionen einsetzen. also meine herren, wie sieht es denn so mit den eigenen visionen aus? so ganz innovativ sind die ja wohl auch nicht:

For years, the RBA (=Reservce Band of Australia), like this newspaper, has argued for a comprehensive approach to addressing the infrastructure shortfalls that threaten to constrain national prosperity. Freeing up the bottlenecks, deregulating the labour market to improve productivity and approaching the mining boom as an opportunity, not a threat: these are the goals that should drive the thinking of the Prime Minister and her Treasurer.(…) We believe tax reform equals lower taxes, but we are not sure Labor agrees now that it has to answer to high-taxing Greens and rent-seeking regional independents.

wer diese ideen als basis hat, darf die wirtschaftspolitik der grünen auch gerne als “flakey”, also exzentrisch, bezeichnen. wie es dann überhaupt die ganze partei ist, mit einem schwulen vorsitzenden, der wegen widerstand gegen die staatsgewalt im knast war und sein wahlkampf mit hilfe von social media führt.

mir ist es total gleich, wer hier was denkt. ich finde es sogar lobenswert, dass sich menschen eine eigene meinung bilden. aber war es nicht irgendwann mal so, dass man die bei einem bier im pub dargelegt hat, oder auch auf dem eigenen blog? seit wann ist eine zeitung eine plattform dafür?  ich kann nur mit dem kopf schütteln. darf man das? darf man das wirklich?

nachtrag: ganz grossartigen kommentar dazu hat marieke hardy hier veröffentlicht und media watch, das programm, dass zum häufig (aber nicht immer) die medienaufsichtsbehörde ersetzt, hat hier die gesamte berichterstattung über die grünen im “the australian” dargelegt. nice!

konferenz-blablabla

September 2, 2010

gestern war ich in melbourne, der grossen stadt. die swinburne university hat ein konferenz zum thema “new news 2010” veranstaltet. im prinzip hat man in australien dieselben sorgen wie in deutschland – leserschwund, auflagenschwund, anzeigenschwund, geldschwund, qualitaetsschwund – nur auf einem kleineren und staerker konzentrierten markt.

bei den meisten panels war die diskussion zu vorhersehbar: eine idee wie man im internet geld verdienen kann, hat auch hier keiner. deshalb habe ich mir nur ausgewaehlte diskussionen angehoert und jetzt habe ich mehr fragen als antworten. die wichtigste: “kann mal einer die tuer vom huehnerstall zumachen, damit das wilde gackern nicht mehr alles uebertoent?”

ein panel hiess: “leadership in journalism”, aber darum ging es nicht, es war “leadership (government) and journalism”. da sassen also der chefredakteur/in von “the age” und “herald sun”, von “crickey.com.au” und “abc” und philosophierten ueber die rolle der medien in der letzten wahlkampagne. dabei haette man das in einem satz zusammenfassen koennen: die medien waren marionetten der politiker. kaum kritisches hinterfragen, keiner hat mal laut geschrien und diese praxis der kontrolle der medien durch die staatsoberen angeklagt. nein, immer fein mit in den wahltourbus eingestiegen. den ganzen wahnsinn hat annabel crab von der abc sehr schön beschrieben. da erklaert der herr von “the age”, dass leser nur noch sachen lesen, die sich in ihrer “comfortzone”, ihrem wohlfuehlbereich, bewegen – aber hallo, die journalisten bleiben doch auch fein in ihrer “comfortzone”. wo sind denn bitte die inhalte, die den leser herausfordern wuerden? alle waren sich sicher, dass die bedeutung des journalisten nicht schrumpft (das muss man ja auch glauben, wenn man in diesen positionen arbeitet), aber ueber die veraenderte rolle haben sie dann nicht diskutiert. die vierte macht im staat sind medienmacher ja wohl schon lange nicht mehr. kleine ego-bestaetigungs-maschinen fuer ihr publikum, und das zu einem guenstigeren preis als jeder irrenarzt (dieser begriff ist nicht p.c. und umfasst psychologen, psychiater, kinesiologen, heilpraktiker, frisoere, beauty salon angestellte, baeckereifachangestellte, bierzapfer und wo die menschen sonst noch ihr herz ausschuetten.)

am ende der veranstaltung, hab ich mich tatsaechlich gemeldet und auf meinem stuhl gewippt. was ich gerne gefragt haette waere dies:

this panel is called “leadership in journalism”. to lead implies that there is an aim you are heading to. you talked about the internet and new ventures and experiments, but i can’t figure out the overall aim. is it just survival of your company or is there a higher aim behind it? or maybe non at all? in short: is there still leadership in journalism?

natuerlich habe ich das mikro nicht bekommen, sondern die grauen herren mit den hemden und die frauen mit den kostuemen. und die haben minutenlang ihr wissen ausgebreitet, was keinen interessierte, um dann zu fragen: “so, what do you think of that?” – und der diskussikonsleiter hatte natuerlich nicht den mumm zu sagen: “sorry, but this is a public forum and we are not here to discuss your personal opinions. feel free to do that with the panelists over a cup of tea later on.” soviel also zu “leadership”.

entdeckungen

August 19, 2010

wahltag

wahltag

 

uebermorgen sind wahlen – und mein gott bin ich froh, wenn sie vorueber sind und man endlich etwas anderes hoert und liest; und ich auch etwas anderes produzieren darf. ich hatte mich ganz gut darum herumgedrueckt, denn die ersten augustwochen habe ich beim australischen pendant des “informationsdienst wissenschaft” verbracht. doch diese woche musste ich dann doch raus auf die strasse. in suedaustralien gibt es zwei sitze, die am wackeln sind. einer davon ist sturt, wo der liberale schatten-bildunsgminister christopher pyne regiert. noch jedenfalls, denn die letzte wahl 2007 hat er nur mit 0.9 prozent vorsprung gewonnen. meine kollegin alice mckinnon und ich haben uns dort mal umgehoert. 

aber ich sehne mich seit geraumer zeit nach neuem input, und waehrend ich in dieser mission im netz unterwegs war, bin ich ueber alte sachen gestolpert. ich habe grade entdeckt, dass einige meiner stories aus dem radio transkribiert worden sind. auf nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass es sich bei der seite um eine not-for-profit seite handelt, die irgendeinen deal mit “the wire” , dem current affairs programm von radio adelaide, hat. immer schoen, so etwas erst im nachhinein zu erfahren. aber anscheinend geht es allen freelancern aehnlich. sehr beruhigend, zugleich aber unglaublich desillusionierend und auch etwas traurig, aber voller humor geschrieben, ist der bericht von richard morgan ueber seine sieben jahre freie arbeit. zum heulen wahr ist die zweite seite. 

danach musste ich erst recht weiter im netz surfen anstatt auch nur an irgendeinen job zu denken. dabei bin ich ueber die neuigkeit gestolpert, dass der englische “guardian” jetzt eine wahlversprechen-verfolgungs-application (oder schoen kurz in englisch> pledge-tracker) gestartet hat. na, das ist doch mal toll. hoffentlich importieren das die australischen medienorganisationen, dann koennten sie aufhoeren, waehrend des wahlkampfes das beschuldungsspiel (a.k.a. er war’s – sie war’s) zu spielen, denn jeder koennte nachschauen, welche versprechen die regierung nun erfuellt hat und welche nicht. die politiker faenden das sicher auch toll, denn ich glaube ja, dass sie vor lauter gerede auch ab und an ihre ziele aus den augen verlieren.

psst….

August 13, 2010

...psst...

...psst...

 

heute kam jemand in unser buero, der mehr wusste als alle anderen. eine netzwerkerin der ganz grossen sorte, pensionierte wissenschaftlerin, die ihre nase ueberall rein steckt, im netten sinn. politisch und wirtschaftlich unabhaengig, ohne agenda, ausser ihrer persoenlichen. 

jetzt weiss ich ganz viele sachen, die in den naechsten wochen passieren werden, aber ich darf es keinem sagen. mein kopf platzt vor ideen. ich platze vor freude. 

ist das nicht das schoene an diesem job? es ist wie frueher, als man noch klein war, und mit jedem geheimnisse geteilt hat. hinter vorgehaltener hand ins ohr gefluestert und dann gemeinsam gegiggelt. 

zugegeben, es macht nur mit manchen leuten spass, geheimnisse zu teilen. in so manche sache, hat man keine lust reingezogen zu werden. und auf so manchen verbuendeten, der einem unter vier augen, nur unter uns, etwas anvertraut, kann man gerne verzichten. 

aber: diese netzwerkerin konnte mit wenigen worte einem die augen oeffnen. 

psst… haste gehoert… nee… aha! aaaaaha! jetzt versteh ich endlich, warum…