facebook hat grade die beliebsten wörter in den statusangaben der australischen facebook benutzer gekürt: auf platz 3 liegt “zumba”, diese mischung aus salsa tanzen und gymnastik machen, auf platz 2 liegt “krebs” – und der gewinner ist: “justin bieber”. was sagt uns das? a)die facebook nutzer sind jung, denn wer über 12 jahren mag schon justin bieber, b) krebs ist weitverbreit in der australischen gesellschaft, auch wenn jeder immer meint, ihn könne es nicht treffen. australien hat das ozonloch (hautkrebs), jede menge staub (nicht gut für die atemwege und lunge), noch immer etliche häuser mit asbestdächern, und kümmert sich generell nicht um umweltverschmutzung. da bringt es dann auch nichts, wenn es nur wenige raucher gibt. (das sind alles vermutungen und beobachtungen, statistiken habe ich noch nicht befragt) c)auch hier haben sie einen fitnessfimmel – obwohl dünn sein nicht glücklich macht, wie mir robert cummins, experte für lebenszufriedenheit, von der deakin universität erzählte.

Formen des Sterbens

December 7, 2010

Dieses Jahr war gepraegt von Bergbauungluecken. Doch Minenunfälle hat es schon immer gegeben. In Broken Hill, dem Geburtsort von bhp-billiton, kann man diverse Formen des Sterbens betrachten.

Der Staub kriecht in die Nase, in die Ohren, legt sich über die Augen. Man muss ständig blinzeln, es könnte auch an der Sonne liegen. Sie blendet, selbst dann, wenn sie von der roten Erde reflektiert wird. der Friedhof von Broken Hill liegt am Highway. Die Autos und Trucks donnern vorbei, raus aus Broken Hill, in Richtung weite Welt. Die Autos, die nach Broken Hill hineinfahren, sind langsamer, als würden sie sich an die Geschwindkeit des Landlebens anpassen. Broken Hill ist eine alte Minenstadt im Outback. Die nächste Stadt ist Adelaide, 650 Kilometer nordöstlich gelegen. Dazwischen gibt es nur kleine Dörfer, die aus einer Handvoll Häuser bestehen. Broken Hill ist die Heimat von bhp-billiton, dem Bergbaugiganten. bhp, das steht für Broken Hill Proprietary. Hier mitten im Nirgendwo fing alles an. Auf dem Friedhof kann man nicht nur die Geschichte der Firma verfolgen, sondern auch jegliche Formen des Sterbens in Minen kennenlernen.

George Urquart war einer der sieben Gründer von bhp. „Das Syndikat der Sieben“ hat man sie genannt. Die sieben Männer arbeiteten zusammen auf der Schaffarm Mount Gipps Station. Charles Rasp kontrollierte die Weidezäune an den Grenzen der Farm, sie umfasste knapp 3600 Quadratkilometer, in etwas die Größe von Mallorca. Rasp war ein deutscher Chemiker, der aus gesundheitlichen Gründen 1869 nach Australien auswanderte. Eines Tages im September 1883, entdeckte er etwas, das er für Zinn hielt in einem Gebiet, das der Entdecker Charles Stuart als „Broken Hill“ in einem Tagebuch bezeichnete. Die gebrochenen Hügel gibt es längst nicht mehr, sie sind abgetragen worden. Stattdessen wird die Stadt von einer riesigen Dreckhalde zerteilt, die die Bergbauarbeiten im Laufe der Jahrhunderte hinterlassen haben. Die Stadt ist organisch um die Halde herumgewachsen. Hier war es, wo die erste Mine der Stadt entstand. Die Stadt sitzt auf dem Silber-Bleierz.

1885 stiess das Syndikat der Sieben auf Erz, nur ein Jahr später starb der erste Arbeiter. John Vaugham war noch ein Kind, kaum 14 Jahre alt. Er schuftete als Erzsortierer im Block 13, als er in eine Grube fiel. Die Kopfverletzungen waren toedlich.

Weisse Kakadus sitzen in den Eukalyptusbäumen auf dem Friedhof, drehen ihre Runden über den Gräbern. Zikaden zirpen unablaessig. Auf den Gräbern lieben Plastikblumen unter Glasglocken, doch selbst sie sind rötlich-braun vom Wüstensand eingestaubt.

“Es gab nur drei grosse Unglücke in den Minen von Broken Hill”, sagt Stan Goodman. Der ehemalige Kumpel hat die zehn Jahre damit verbracht, die tote Bergarbeiter zu katalogisieren. Er hat Verwandte, deren Überreste noch Untertage liegen und er selbst hat Leute verloren, als er Vorarbeiter war. Später war er Sicherheitsbeauftragter und kennt all die Probleme, die es auch heute noch gibt. Einbrechende Stollen sei die Haupttodesursache sagt er. Rund 800 Leute kamen in den Minem von Broken Hill seit 1885 ums Leben, neun davon starben beim schwersten Ungluexk, dass die Stadt erlebt hat, im September 1895.

Vermutlich war es ein Tag wie jeder andere fuer William Arthur, der von seinen Freunden wohl Bill genannt wurde. Zum Frühstück machte seine Frau Porridge, er verabschiedete sich mit einem Kuss von seinen drei Kindern und dann fuhr er an das südliche Ende von Broken Hill, zur South Silver Mine. Er arbeitet unter Tage, gemeinsam mit acht Anderen. Die Gänge in 400 Fuss Tiefe waren mit Holz ausgkleidet, es roch feucht und muffig. Ploetzlich flog Bill durch die Luft, kracht gegen die Wand, seine Rippen brachen. Ein Stollen war eingestürzt und die Luftdruckwelle die durch den Gang rauschte, toetete Bill und seine Kollegen. Nur sechs Jahre später passierte das nächste Unglück: Ein Stollen begrub sechs Arbeiter unter sich.Wieder war es in der South Mine. “In der North Mine wurde erst viel später mit dem Abbau begonnen, da hatte man schon aus den Unfällen der South Mine gelernt”, so Goodman.

Broken Hill war eine Boomstadt. Sie hatte 1891 bereits 21000 Einwohner. Während des ersten Weltkrieges als Erz überall begehrt war, arbeiten 10 000 Menschen im Bergbau – nie wieder sollten es so viele sein. Doch niemand weiss, wieviele von ihnen an de Spätfolgen ihres Jobs gestorben sind: Lungenkrankheiten, Rauchvergiftungen, zu viel Blei im Blut. Auch Goodman hat keine Ahnung, er hat nur Unfallopfer in seine Statstik aufgenommen. John Georg Armitt wurde vermerkt. Er trat früh in die Fußstapfen seines Vaters, der auch Kumpel war. Doch bereits im Alter von 12 Jahren starb er an einer Rauchvergiftung verursacht durch die Sprengungen im Stollen und das nicht-vorhandene Belüftungssystem.

Die Arbeitsbedingungen in den Minen waren katstrophal. “Viele starben auch an Herzinfarkten, weil die Arbeit so hart war”, sagt Goodman. Percy Brookfield hat das um die Jahrhundertwende selbst erfahren. Bevor er in die Politik ging, war auch er Bergarbeiter. Er wusste, wofür er kämpfte, als er sich 1916 für eine 44Stunden Woche einsetzte. Auf dem Friedhof steht ein Monument ihm zu Ehren. Lange konnte man den Job in den Anfangszeiten des Bergbaus trotzdemmnicht machen, der Körper laugte schnell aus. Doch mit den Maschinen, die sie Arbeit erleichterten, verschwanden die Jobs. Während in den 50ern noch 5000 Menschen vom Erz lebten, sind es heute grade mal 300. Anfang des Jahres standen über 500 der 8000 Gebäude der Stadt zu Verkauf. Die Chloride Street und Sulphur Street und Bromide Street sind wie leergefegt, kaum jemand verirrt sich nach Broken Hill. In der Mitte der Stadt thront die Gedenkstätte für die verstorbenen Kumpel auf der Halde, ein Mahnmal ohne Publikum.

Am hinteren Ende des Friedhofs liegt die bekannteste Persönlichkeit dee Stadt begraben, der Maler Charles “Pro” Hart. Auch er ein Bergarbeiter, der nebenbei malte. Haeufiges Motiv: Minenschaechte. Hinter Pro Harts letzter Ruhestätte steht eine Ansammlung schwarz gekleideter Menschen unter einem Pavillion, vor ihnen ein frisch ausgehobenes Grab, der Bereich aussenrum ist mit Kunstrasen ausgelegt. Zwei Mädchen schlendern an mir vorbei, ihr schwarzen Lackschuhe voller Staub. “Was sollen wir jetzt machen?” fragte eine von ihnen. “Wir gehen zu mir und legen uns in den Pool, was sonst?”

australien hat einen neuen chef – oder besser eine chefin.

meine damen und herren, heissen sie herzlich willkommen – miss julia gillard – ehemals ins gerede gekommen für skandale rund um neue schulbibliotheken, turnhallen und klassensäle, hat sie soeben die bühne als staatschefin betreten. gestern abend noch hinter geschlossenen türen verhandelt, taktiert und interveniert, ist sie heute als glückliche gewinnerin einer wahl hervorgegangen, die es gar nicht gegeben hat (weil kevin rudd kampflos aufgegeben hat).

die australier sind hin und her gerissen: klar, der kevin, der hat seine versprechen nicht immer eingehalten, aber er war doch ein guter kerl, sagen sie, so einen abgang hat er nun auch nicht verdient. andererseits hat sich auch tony abbott, der boss der opposition, in sein amt geputscht. julia und er sind sich in diesem sinne beide vatermörder. aber julia! eine frau!

ja, ich finde es schon ein wenig unglaublich, dass diesem land eine frau als chefin hat, denn von emanzipation ist man hier weit entfernt. weswegen auch gleich darüber gemunkelt wird, dass sie ja unverheiratet ist (und ihr freund war frisör!), keine kinder hat und sich für das christlich-göttliche gebla auch gar nicht interessiert. herrje, herrje. in australien hat man vor wenigen wochen erst drei monate bezahlten erziehungsurlaub gesetzlich verankert. schwangerschaftsschutz gibt es nicht und auch keinen öffentlichen kindergarten oder -krippe. das ist alles privat (und damit teuer) organisiert und lässt in seiner qualität (im vergleich zum deutschen standard) auch eher zu wünschen übrig. frau bleibt demnach meist zuhause bis die kleinen in die schule gehen (immerhin schon im alter von fünf) oder ist auf omi und opi angewiesen, oder ihr job ist so gut bezahlt, dass sie gerne die hälfte ihres gehaltes für eine nanny ausgibt. konsequent also nur, wenn die staatschefin keine sabberflecken auf dem blazer hat.

dieses land hat also nun eine frau chefin. ich bin gespannt, wie lange sie das bleibt. ich habe schon die ersten stimmen gehört: “ich hab die nicht gewählt, ich habe kevin gewählt” – was theoretisch nicht stimmt, denn man wählt eine partei  und deren oberaufseher wird dann premierminister. kevin 07 – das war einmal. und 007 – das war er nie.

in der zeitung

June 16, 2010

in writing (by bella elizabetta)

in writing (by bella elizabetta)

ich schreibe natürlich immer noch. hatte ich das schon erwähnt?

in der faz berichte ich über die hohen studiengebühren in australien und in der frankfurter rundschau schreibe ich über die exklusive einwanderungspolitik des kontinents.

transition

June 16, 2010

"transition of a virgin into a bride" by marchel duchamp

"transition of a virgin into a bride" by marchel duchamp

 

dear sir or madam (or anything in between – whoever is reading these lines), 

my six year old son has started talking to me in english (me: “kannst du bitte deutsch mit mir reden?”, him: “oh, i didn’t realise i was talking english.”). it made me realise that i also start to integrate the two languages into one. which then made me realise that i should write in the language i am thinking in that particular moment while i am writing. otherwise i am to busy translating one language into the other, and  it all sounds weird and i end up writing pidgin-german which actually is no option at all. so, at the moment, i am in english-mode. 

i am just working on a series on aboriginal stories which take up most of my time, i linked them to the “stories” section above, just in case you are interested in listening. trying to get my head around indigenous issues means that i have to twist my brain even more. i guess, by the time i am back in germay, i ll be a desintegrated something-in-between. 

yours, 

pia in transition 

by michael luboa

by michael luboa

neugierde

June 13, 2010

wombat by guillaume dargaud

wombat by guillaume dargaud

ich mache mir jede woche gedanken darüber, was ich gerne über andere journalistenkollegen lesen würde, damit ich daraus ableiten kann, was ich hier schreiben könnte. man schließt ja immer gerne von sich auf andere. ich würde am liebsten über andere lesen, wo sie ihre ideen her nehmen. allerdings ist genau das etwas, was ich selber gar nicht beantworten könnte. die frage hört sich ja schon an, als wäre es eine anklage von frau mutter persönlich “wie bist du denn auf DIE idee gekommen?” und meine antworten hören sich auch an wie faule ausreden: ist mir heute beim aufstehen eingefallen, bin ich drüber gestolpert, hat mir jemand erzählt und dann habe ich gedacht, und so weiter. ich kann also nichts über ideenfindung schreiben.

was würde ich denn gerne von einem anderen journalisten wissen, der im ausland lebt? ein paar seltsame geschichten, über dinge die man als selbstverständlich ansieht, aber im ausland feststellen muss, dass sie wahrer luxus sind. ich zum beispiel finde es selbstverständlich maximal 7 minuten auf den bus zu warten. hier in adelaide sind sie stolz, wenn der bus alle 20 minuten kommt (aber das gilt nur wochenentags). da steht dann ganz groß auf den schildern drauf: “only 20minutes max wait”. ich habe mir nun angewöhnt überall hinzulaufen, denn in 20 minuten kann man die gesamte innenstadt erlaufen. ich bin vor kurzem sogar von der innenstadt nach hause gelaufen und habe knapp unter einer stunde gebraucht. aber das ist eine nicht besonders exotische geschichte. der öpnv hat aber etwas exotisches zu bieten: die o-bahn. das ist eine kreuzung aus omnibus und bahn, es ist ein bus, der in schienenartigen spurrinnen fährt. innerhalb der stadt ist es ein bus, aber wenn er in einen tunnel am innenstadtrand hineinfährt, dann klappen sich kleine rädchen neben den reifen heraus, und die führen den bus in eine fahrrinne. die o-bahn ist mit abstand die schnellste variante, um in die vororte zu kommen. wenn das ganze mit solarbussen betrieben wäre, dann wäre es sicher auch die umweltfreundlichste methode. okay, exotisch ist das auch nicht, nur etwas seltsam.

exotisch wäre irgendetwas mit känguruhs und koalas und surfern und haien und aborigines. irgendetwas, was die klischees bestätigt und noch etwas ausbaut. das wäre aber auch vorhersehbar und langweilig. tiergeschichten mache ich nicht. koalas schlafen 23 stunden des tages – was will man da aufregendes entdecken. es wäre schön, wenn ein wissenschaftler anhand eines koala-ekgs auf koala-träume schließen könnte. geht aber (noch?) nicht. känguruh sehen aus der nähe etwas dämlich aus. sie benutzen ihren schwanz ungefähr so wie wir eine brunnenpumpe: wenn ein känguruh durch die gegend hüpft, dann sieht es immer so aus, als würde es sich mittels seines schwanzes in die luft hochpumpen, es nicht schaffen und wieder auf den boden plumpsen. aber das ist nur meine eigene meinung. es gibt jede menge menschen, die sich von diesen braunen augen mit den langen wimpern und dem lieblichen blick hinreißen lassen (anmerkung an mich: herausfinden, ob man hier anstatt “rehaugen” “känguruhaugen” sagt.). meine liebsten tiere sind wombats, die sehen aus wie dicke würstchen mit fell. und ich mag würstchen und ich fände es traumhaft, wenn würstchen laufen könnten und sich durch ein fell auf der perfekten esstemperatur halten würden. von mir also keine tiergeschichten.

surfer? hahahaha! grade ist nicht mal strand da. unten am strand von glenelg ziehen bagger und walzen ihre runden, um den strand umzugraben und neu aufzubauen, für den nächsten sommer. der natürliche strand besteht aus steinen und geröll. ohnehin surft in glenelg keiner, da sind die wellen so hoch wie in der badewanne. nee, nee, keine geschichten von muskelbepackten surfern mit ausgebleichten haaren. aber wie wäre es mit rugby spielern und gangrape geschichten?

dann also aborigines. der übergang ist sehr passend. vom gangrape zu den aborigines. der gemeine australier hat selten gutes über aborigines zu sagen. das ist nicht allzuschwer herauszufinden, es genügt, sich die kommentare auf seiten der größeren zeitungen anzuschauen. ich musste vor ein paar tagen diesen text lesen, und fand die kommentare darunter doch sehr interessant, um es mal höflich auszudrücken. (alistair nicholson, der autor, sagt, er lese die kommentare gar nicht mehr.) das multikulturelle australien hat probleme mit dem multikulti, und davon nicht zu wenige. nicht nur mit den aborigines, die auf dem untersten stufe der sozialhierarchie angesiedelt sind, sondern auch mit den asiaten. wer einen asiatischen nachnamen hat, hat eine geringere chance überhaupt zu vorstellungsgespräche eingeladen zu werden bei gleicher qualifikation wie ein “mister smith”. immerhin: die asiaten leben in chinatown, die aborigines leben in knast – so ungefähr.

soviel zu den australischen klischees.

the clayton regulator by mundoo

the clayton regulator by mundoo

das australische mediensystem funktioniert anders. nicht nur, dass man staendig in erster person singular aka “ich”-form schreiben und reden muss, sondern auch, dass ich als journalistin eine gesetzeslose bin.

es gibt kein aussageverweigerungsrecht fuer journalisten und ebensowenig gibt es ein recht auf information seitens der regierungsstellen. das stimmt nicht ganz, denn das recht gibt es schon, aber fuer jeden buerger, so dass die bearbeitung von antraegen (schriftlich und gegen gebuehr) so lange dauert, dass die geschichte laengst vorbei ist. kurzum: jeder kann journalist werden/sein. und diejenigen, die nicht wollen, dass ueber sie berichtet wird, verklagen die journalisten auf verleumdung.

ich recherchiere grade ueber den innerstaatlichen wasserkrieg, der auf dem kontinent herrscht: der einst wasserreichste fluss australiens ist mittlerweile an seiner muendung nur noch ein rinnsal. waeren da nicht all die daemme und wehre, dann waere das salzwasser schon den fluss hinaufgewandert (was es frueher ohenhin tat). das letzte wehr, das gebaut wurde, heisst schon nicht mehr wehr, sondern “regulator”. warum heissen die dinge alle unterschiedlich, wollte ich wissen. warum “barrages”, “weirs” und nun auch noch ein “regulator”? der “regulator” heisse so, damit man nicht sofort auf die idee kommt, dass er nichts anderes als ein “weir” oder “dam” ist, sagen die leute. er sei nur eine temporaere einrichtung – dafuer, dass er nur zeitlich begrenzt seine funktion erfuellen soll, war er a) ganz schoen teuer und b)sieht er ganz schoen stabil aus. der sinn des regulators: er soll den wasserstand in einem kleinen teil der flussmuendung heben – aber wieso nur in diesem kleinen teil? man munkelt, dass es mit dem luxus entwicklunsgprojekt, der marina hindmarsh island, zusammenhaengt. es soll ein kleines paradies entstehen, ein spielplatz der high-society mit sandstrand und hafen. doch der potentielle luxus braucht wasser, sonst liegen die yachten auf dem trockenen und am feinen strand stinkt es nach faeulnis.

doch man munkelt nur, denn fast jeder, der die “marina hindmarsh island” je in zusammenhang mit besonders teuren bauprojekten, wie der hindmarsh island bruecke, oder nun dem clayton regulator, gebracht hat, hatte eine verleumdungsklage im nacken, angefangen vom buergerjournalisten mit seinem flyer bis zu redakteur der nationalen tageszeitung “the australian”. das kann man ausfuehrlich hier nachlesen, oder auch hier. dabei geht es gar nicht darum, den fall zu gewinnen. es geht darum, dass die leute aufhoeren zu reden.

no dead air

May 9, 2010

no dead air (photo by markus wegner-parszyk)

sonntag morgen, 8:47 uhr, mein telefon klingelt. herr k. ist dran, er kommt nicht in unser funkhaus rein, muss aber in 13 minuten unsere show moderieren. schöner mist! ich bin also nun an dem punkt an dem man mich, die ausländerin im freiwilligendienst, am wochenende anruft und um rat fragt. ich bin sozusagen befördert worden, zur ressortleiterin, oder so etwas in der art.

meine show heisst “barometer” und beschäftigt sich mit dem klimawandel, mit umweltschutz und dem “ethic way of life”. mein team besteht aus vier freiwilligen, keiner ist 100 prozent “commited”, keiner hat eine journalistische ausbildung genossen, keiner kennt sich in den geowissenschaften aus. sie wollen alle nur mal radio machen. eine viel bessere schulung in mitarbeiterführung kann ich wohl nicht bekommen. “das ganze ist mehr als die summe seiner teile”, denke ich mir jeden tag, während ich auf den nächsten anruf mit dem nächsten desaster warte.

vergangene woche wollte herr g. ,ein überambitionierter mittvierziger, ein interview organisieren. auf dem flyer, den er hatte stand drauf: “this is a zero waste event” – was soviel heisst wie: du musst deinen müll wieder mit nach hause nehmen. herr g. aber dachte, es sei ein event, der von der regierungsorganisation “zero waste” veranstaltet wird. es hatte ihn nicht verwundert, dass es bei der messe weder um müll, noch um recycling ging. er also rief bei “zero waste” an und da die person, die er verlangte, dort nicht existierte, sprach er eben mit einer anderen person, die überhaupt nicht wusste, wovon er sprach, aber – aus höflichkeit wohl – versuchte, trotzdem alle fragen zu beantworten. das ergebnis verkorkst zu nennen, wäre ein kompliment. diese woche, nach der veranstaltung, meldet sich der ursprüngliche interviewpartner und herr g. spricht mit ihm, ohne aber einen aufhänger für die geschichte zu haben.

frau s. ist sehr smart und die einzige mit einer wissenschaftlichen ausbildung im team. ihre interviews sind so “sophisticated”, dass ich sie daran erinnern muss, dass vielleicht nicht jeder weiß, was “constituencies” sind, und das wort “voters” angebrachter wäre. sie hat acht stunden gebraucht, um ein 20-minütiges interview auf die hälfte zu kürzen. wobei als regel gilt: interviews sollten zwischen vier und sieben minuten lang sein.

herr k. macht keine eigenen interviews, er macht überhaupt keine beiträge, was er mir aber erst vergangene woche gesagt hat, nachdem ich ihn fragte, warum er nie auf meine themenvorschläge reagiert. er wisse nicht, wie man telefoninterviews macht, er könne aber live-interviews machen. ansonsten durchforstet er alle anderen englischsprachigen radio- und fernsehkanäle nach interessanten beiträgen, die wir dann übernehmen. copyrightprobleme? nein, die gäbe es nicht, versichert mir meine chefin, da wir eine community station sind und daher nicht kommerziell arbeiten. aha.

herr b. ist im urlaub. seit wochen bereits. bei unserer ersten redaktionssitzung war er dabei. und moderiert hat er auch bereits. aber nun ist er im urlaub. also vielleicht besteht mein team auch nur aus drei freiwilligen. was sehr schlecht wäre, denn sonntags, zur showtime, arbeiten sie in zweierteams. einer präsentiert, einer stellt die show online. theoretisch. praktisch ist unsere webseite vier wochen alt. zwei wochen hat es gedauert, bis man (a.k.a. die zuständigen universitätsangehörige) uns das passwort für die webseite mitteilte. weitere zwei wochen hat es gedauert, bis mein team mir erklärte, es wüsste gar nicht, wie man so eine wordpress seite benutzt. nächste woche mache ich also einen workshop “wordpress for dummies”.

seit anbeginn der show möchte ich gerne ein “package” produzieren, eine mischung aus o-tönen, sprechertext, geräuschkulisse, musik und was man sonst noch so findet. seit wochen habe ich keine zeit dafür. der einzige beitrag, den ich produziert habe, und den ich gelungen fand, war für “the wire” – an independent news and current affairs show. nun bin ich doch die teilzeitmanagerin, die ich nicht sein wollte. teilzeit, weil “barometer” ja nicht die einzige show ist, für die ich arbeite.

für das frühstücksradio bin ich so etwas wie eine sekretärin: peter gibt mir ein thema und manchmal auch noch mehrere mögliche interviewpartner dazu, und ich muss sie anrufen, und ein interviewtermin für den nächsten morgen festlegen und anschließend ein kurzes interviewbrief schreiben, was keinen sinn macht, da peter ja das themeaausgewählt hat und deshalb ohnehin meist mehr darüber weiß, als ich schaffe in einem tag herauszufinden.

für “the wire” bin ich ein ganz normale mitarbeiterin. juchu! themen raussuchen, recherchieren, interviewen, auf die straße gehen und passanten befragen, story zusammenbauen, sprechertext schreiben, und das ganze online stellen. jeden mittwoch und donnerstag. “the wire” wird nämlich national ausgestrahlt, über das netzwerk der community radios. da muss die qualität stimmen und deswegen wird auch mal gemeckert. das finde ich gut, denn ohne kritik kann man sich nicht weiter entwickeln. aber es schreckt viel leute ab, die “nur mal so” radio machen wollen. was dazu führt, dass das team klein ist, die tage stressig, aber die beiträge besser als in anderen sendungen. mit deutschland vergleichbar ist es trotzdem nicht – aber das ist eine andere geschichte.

“barometer” hat eine solche qualitätsprüfung nicht, und wenn es sie gäbe, dann würde ich die show vermutlich alleine machen. dann stünde ich jetzt vor den verschlossenen türen des funkhauses. so, ist es nur an mir, den sicherheitsdienst anzurufen und die herren zu bitten, meinem team aufzuschliessen.

9:00 wir sind auf sendung, mit einem anderen interview als geplant, aber hauptsache “no dead air”.

Die vergessenen Krieger

April 25, 2010

Foto by Mike Bowers

Knapp 16 100 Kilometer trennen Rufus Gordon Rigney und Matt Rigney. Matt Rigney sitzt am Ufer des Lake Albert in Südaustralien. Er ist Stammesältester der Ngarrandjeri und ein weitgereister Mensch. Auch Rufus Gordon Rigney ist weit herumgekommen, nur nach Hause, hat er es nicht mehr geschafft. Er war ein einfacher Soldat, keine 18 Jahre war er alt, als er im Ersten Weltkrieg in Kriegsgefangenschaft starb. Seine Überreste liegen auf einem britischen Soldatenfriedhof in Belgien.

Jedes Jahr am 25.April gedenken die Australier ihrer Soldaten. In jener Nacht im Jahr 1915 wurde die australische Nation geboren, so heißt es. Australien war noch jung als der Erste Weltkrieg ausbrach. Dreizehn Jahre zuvor hatten sich die britischen Kolonien zu einer Förderation zusammengeschlossen. Der Erste Weltkrieg war die erste Möglichkeit für den jungen Staat, sich auf der Bühne der Weltpolitik zu beweisen.

Ende April 1915, 2.30 Uhr nachts: Die Schiffe der ANZACs (Australian and New Zealand Army Corps) laufen in die kleine Bucht bei Gallipolli in der Türkei ein. Nur dunkle Schatten zeichneten sich im Mondlicht ab. Ein Blitzangriff sollte es werden, der die Türken überrollen sollte. Die Türken hatten sich während des Ersten Weltkrieges mit den Deutschen verbündet und marschierten in Richtung Russland. Russland hatte die Allierten um Hilfe gebeten. Doch am 25.April 1915, als die Sonne langsam über den Horizont kroch, wurde den Soldaten der ANZACs klar, dass sie selber Hilfe brauchen würden. Vor ihnen erhoben sich raue Hügel und steile Schluchten, eine zerklüftete Landschaft, die einen schnellen Angriff unmöglich machte. Statt weniger Tage kämpften die ANZACs acht Monate, 35 000 Allierte sterben, 8000 davon Australier. Der Anzac-Tag, wie der 25. April genannt wird, erinnert an ihren Tod  – und an die Geburt der australischen Nation.

Die Historikerin Marilyn Lake von der LaTrobe Universität kann die Geschichte schon nicht mehr hören. Die ANZACs seien Männer in Gesellschaft anderer Männer gewesen, die versucht haben fern der Heimat Heldentaten zu vollbringen, und gescheitert sind. Wie konnte ihre Geschichte wo wichtig werden für die Australier, fragte sie sich. Und: Ist eine solcher Gründungsmythos überhaupt noch haltbar, wo finden sich die Frauen, die Aborigines, die asiatischen Einwanderer, die es auch bereits 1915 schon gab, in der Geschichte wieder?

„Die Regierung hat in den vergangenen 15 Jahren jede Menge Geld ausgegeben, um die ANZAC Geschichte zu verbreiten – vor allem durch Unterrichtsmaterialien und Kriegsdenkmale“, sagt Lake. Krieg schweißt uns zusammen, lautet die Botschaft. Jeder kann ein Held sein. Die australischen Soldaten, die in den Golfkriegen kämpften, in Ost-Timor im Einsatz waren oder in Afghanistan Stellung hielten, wussten, wenn sie zurück kommen, würde man ihnen einen glorreichen Empfang bereiten.

Doch so glorreich war der Empfang 1915 gar nicht, vor allem nicht für Aborigines. Gary Oakley, Mitarbeiter des Aboriginal and Torres Strait Islander Veterans and Services Association, erzählt zwar stolz, dass die Armee der erste gleichberechtigte Arbeitgeber für Aborigines war – gleicher Dienst für das gleiche Gehalt wie andere Australier – doch mit der Gleichberechtigung war es aus, wenn die Soldaten australischen Boden wieder betraten. Denn hier, im eigenen Land, waren sie nicht einmal Staatsbürger. Alle zurückkehrenden Soldaten weißer Hautfarben erhielten ein Stück Land. Land, das man zuvor den Aborigines weggenommen hatte. Die zurückkehrenden Aborigines erhielten nichts. „So war das eben“, sagt Oakley. Für ihn ist der 25. April kein Tag, der die nationale Einheit feiert, sondern ein Gedenktag für die australischen Soldaten. „Wir dürfen unsere Soldaten und was sie für unser Land getan haben, nicht vergessen.“, sagt er.

Das will Marilyn Lake auch gar nicht, doch sie findet, es sei Zeit für eine Erneuerung der australischen Identität. „Die Amerikaner erzählen die Geschichte der Freiheit. Wir Australier könnten die Geschichte der Gleichheit erzählen.“ 1902 führte Australien als erster Staat das uneingeschränkte Wahlrecht für Frauen ein, Aborigines waren die ersten die gegen die Assimilierungspolitik Hitlers demonstrierten, und Lake kann noch jede Menge anderer Errungenschaften aufzählen. Dennoch glaubt sie nicht, dass diese Narrative sich je durchsetzen wird. „Nationalismus dient immer einem bestimmten Grund, und es ist wichtiger Soldaten in Kriegen schicken zu können, als den Menschen zu erklären, wir seien alle gleich.“

Daran würde Matt Rigney ohnehin nicht glauben. Er hat am eigenen Leib erfahren, dass Australien noch einen weiten Weg zu gehen hat, bis alle Menschen gleich sind. Er wird deshalb am 25. April nicht der australischen Nation huldigen, sondern seiner eigenen, der Nation der Aborigines vom Stamme der Ngarrandjeri, und ihrer vergessenen Krieger, die in fremder Erde begraben liegen.

footy vs vulcano

April 22, 2010

europa versinkt im chaos – aufgrund eines huestelnden vulkans. und ueber was berichtet der advertiser, die einzige tageszeitung der stadt, auf seiner titelseite? footy! aussie rules football, wohlgemerkt. ein sport also, den keiner ausserhalb des kontinents spielt. obwohl diese maenner in ihren kurzen hoeschen ganz schoen anzusehen sind. und immerhin ist es besser darueber zu lesen, als die spieler im interview zu sehen oder zu hoeren. dann fragt man sich naemlich, ob es einen linearen zusammenhang zwischen muskelmasse und gehirnmasse gibt.

auf der front des advertisers also footy – und auf der rueckseite? natuerlich auch. der advertiser ist eine tabloidzeitung und das hintere drittel ist immer dem sport gewidmet.

ich frage mich langsam, ob zeitungen hier einen andere funktion haben, als ich das aus deutschland gewohnt bin. vielleicht dienen sie gar nicht der information, vielleicht sind sie nicht an muendige buerger gerichtet, vielleicht braucht man sie nur, um das katzenklo neu auszulegen?