this is not the end.

October 26, 2010

long time no see. ich war nicht untergetaucht, die schweinegrippe hat mich erwischt. natürlich habe ich mich vergangenes jahr nicht dagegen impfen lassen. “ha! das ist doch alles übertrieben, so schlimm kann es gar nicht sein”, dachte ich mir. leider war es aber genauso schlimm. schwupps fand ich mich vollkommen dehydriert und halluzinierend im krankenhaus wieder.

jetzt bin ich wieder draußen, könnte aber den ganzen tag schlafen. ich hatte ganz vergessen, wie es ist wenn man richtig krank ist. wir jammern ja ganz gerne schon über eine klitzekleine erkältung und ein bißchen pms. um dem leiden ein ende zu setzen, habe ich beschlossen, heute einen neuen anfang zu feiern. heute vor 25 jahren wurde uluru, von den ignoranten auch als ayers rock bezeichnet, an die aborigine zurückgegeben. als käptn cook die küste von australien erreichte, war er ja der festen meinung, dass der kontinent niemandsland sei, dass nur darauf gewartete hatte, in beschlag genommen zu werden. die paar eingeborenen hatten ja nicht mal kleidung, wie konnten sie land besitzen? und schwupps, war australien ein teil englands. je nach bundesstaat und -territorium hat es unterschiedlich lange gedauert, bis es den einwanderern dämmerte, dass ihnen da einen fehler unterlaufen ist. im northern territory wurden den aborigine 1976 landrechte zuerkannt, aber das gesetz galt nicht auf dem gebiet von nationalparks, wo aber uluru liegt. erst jahre später schaffte man ein paar lücken im gesetz und gab den anangu ihren heiligen berg wieder, die ihn aber fuenf minuten spaeter fuer 99jahre an die bundesregierung zurückverpachtete. anyway, sie duerfen mitreden und das war ja schon mal ein anfang. grund zum feiern also. theoretisch.

gestern habe ich mit yami lester telefoniert, der aborigine, der bei der übergabe von uluru zwischen dem governor-general und dem rest uebersetzt hat. er hatte einen schlaganfall und liegt im krankenhaus. harry nelson, ein anderer aborigine, der zum management board des nationalparks gehört, macht grade sorry business und musste zentralaustralien verlassen, weil sein neffe einen freund getötet hat (im vollrausch), die polizei einschritt und nun die familien im dorf sich bekriegen, weil das sorry business, die aborigine-art mit solchen ereignissen umzugehen, nicht beendet wurde. weil sich alle bekriegt haben, hat die polizei die hälfte des dorfes, knapp 100 leute in ein paar busse gesteckt und in die nächste stadt, nach alice springs, gebracht. in ein town camp. im town camp leben überwiegend leute, die nichts mehr zu verlieren haben, die neuankömmlige wurden nicht willkommen geheissen. weshalb sie sich neue busse organisierten, und ein paar wagen (niemand weiß, wie sie das geschafft haben) und die 1600km nach adelaide hinter sich gebracht haben. hier sind sie nun, leben in einem matrazenlager in einem gemeindehaus, keiner fühlt sich zuständig. die polizei in alice springs sagt, es sei nicht mehr ihr problem, jene in adelaide sagt, die menschen gehören zurück in ihr dorf, wo sie aber “hausverbot” haben, die obdachlosen in adelaide sagen, die aborigine würden bevorzugt behandelt, weil sie sofort ein dach über dem kopf bekommen haben.

so weit zum fortschritt im gegenseitigen verständnis der whitefalls und blackfellas. krankheit, kriminalität, verderben. happy 25th anniversary!

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die auslandskorrespondenten der taz proben den aufstand. wunderbar! fuer mich ist dieses jahr in adelaide meine erste erfahrung als “auslandskorrespondentin”. ich traue mich gar nicht das wort ohne anfuehrungszeichen zu schreiben, denn aus dem regen berichten ist (aus meiner sicht) nicht viel geworden. nun denn, dachte ich anfangs, australien ist das ende der welt, da muss ich mich langsam heran tasten, an das was die herren und damen redakteure interessieren koennte. das erste halbe jahr war dementsprechend unproduktiv. es dauert ja auch eine weile ein informantennetzwerk im land aufzubauen.

aber dann wurde kevin rudd abgesetzt und alles ging schlag auf schlag, wahlen, verhandeln, stillstand. verhandeln und stillstand war auch bei mir angesagt. na klar, wahlberichterstattung wird man los ohne lange nach einem aufhänger suchen zu müssen. aber zu welchem preis? da stehen honorar und stress in einem solchen missverhaeltnis, dass ich beschlossen habe, das gleich wieder sein zu lassen. ich finde, man muss sich fuer seinen job nur bis zu einem gewissen grad erniedrigen.

“The most underused words in the news business today: let’s pass on that.”

schreibt dean starkman hat in der columbia journalism review ueber das hamsterrrad:

The Hamster Wheel isn’t speed; it’s motion for motion’s sake. The Hamster Wheel is volume without thought. It is news panic, a lack of discipline, an inability to say no. It is copy produced to meet arbitrary productivity metrics (Bloomberg!). It is “Sheriff plans no car purchases in 2011,” (Kokomo Tribune, 7/5/10). It is “Ben Marter’s Home-Cooked Weekend,” (Politico, 6/28/10): “Saturday morning, he took some of the leftover broccoli, onions, and mushrooms, added jalapenos, and made omeletes for a zingy breakfast.” Ben Marter is communications director for a congresswoman. It’s live-blogging the opening ceremonies, matching stories that don’t matter, and fifty-five seconds of video of a movie theater screen being built: “Wallingford cinema adding 3 screens (video),” (New Haven Register, 6/1/10). But it’s more than just mindless volume. It’s a recalibration of the news calculus. Of the factors that affect the reporting of news, an underappreciated one is the risk/reward calculation that all professional reporters make when confronted with a story idea: How much time versus how much impact? This informal vetting system is surprisingly ruthless and ultimately efficient for one and all. The more time invested, the bigger the risk, but also the greater potential glory for the reporter, and the greater value to the public (can’t forget them!). Do you fly to Chicago to talk to that guy about that thing? Do you read that bankruptcy examiner’s report? Or do you do three things that are easier?

und was kommt raus, wenn alle immer fein weiter im hamsterrad rennen? krishna bharat, der typ, der google news gegruendet hat, beschreibt es in the atlantic:

The Google News front page is a kind of air-traffic-control center for the movement of stories across the world’s media, in real time. “Usually, you see essentially the same approach taken by a thousand publications at the same time,” he told me. “Once something has been observed, nearly everyone says approximately the same thing.” He didn’t mean that the publications were linking to one another or syndicating their stories. Rather, their conventions and instincts made them all emphasize the same things. This could be reassuring, in indicating some consensus on what the “important” stories were. But Bharat said it also indicated a faddishness of coverage—when Michael Jackson dies, other things cease to matter—and a redundancy that journalism could no longer afford.

und leisten koennen sich das viele ja heute schon nicht mehr: “spesen? nee, geht nicht.”  und ich weiss schon gar nicht mehr, wer mir mehr leid tut: wir freien, oder die redakteure, die immer mit schlechtem gewissen im nacken, das honorar weitergeben, am ende meist ein “es tut mir leid” dran haengen, als waere es eine kondolenzbekundung. in gewissen sinne ist es ja auch eine.

ich habe ein paar artikel des nieman reports ueber die zunkunft der auslandsberichterstattung gelesen. dort schreibt john sawyer,vom pulitzer center on crises reporting, einer organisation, die auslandsberichterstattung unterstuetzen:

We’ve had projects in which we provided $15,000 and up in travel costs and journalists invested weeks or months of work—and national news media outlets have paid $1,000 or less for the articles they have published. An urgent part of our mission has become the identification of income streams for our journalists—from payment for talks we arrange on college campuses to the provision of income within our journalism grants themselves.

ergo: als journalist lebt man nicht mehr von dem honrar, dass man fuer einen text bekommt. um den text zu schreiben, muss man vorher sponsoren suchen oder spenden sammeln gehen, wie doug struck erzählt. weil das geld aber nie reicht, muss man neue netzwerke schaffen und alte umfunktionieren. und am ende könnten doch die menschenrechtsbeobachter die besseren journalisten sein, weil sie näher am menschen dran sind, und all das erfahren, was der freie korrespondent, der nur für diese eine story kommt, nie hören wird.

fazit:

What is clear in this experimentation is that foreign news coverage and correspondents no longer conform to a single elite model such as dominated the profession in the last century. Given the dedication and daring of innovators, new methods for gathering and delivering foreign news will continue to emerge.

ich nehme an, dass das aber etwas ist, was die streikenden taz-korrespondenten so weder hören, noch einsehen wollen. ich würde mich auch freuen, wenn das alles ein hässlicher traum wäre. dennoch sitze ich hier in australien, aufenthalt selbsorganisiert, finanziert vom besser stipendium der studienstiftung des deutsche volkes, versichert über die uni, am leben erhalten durch gute freunde.

die gedanken sind frei

September 9, 2010

wie gerne reden wir von der unabhängigkeit der medien, von ausgewogener berichterstattung, und der vierten macht im staate. rupert murdochs zeitung “the australian”, die einzige nationale tageszeitung des kontinents, hält davon weniger. heute stand im editorial:

We believe he (Senator Bob Brown) and his Green colleagues are hypocrites; that they are bad for the nation; and that they should be destroyed at the ballot box.The Greens voted against Mr Rudd’s emissions trading scheme because they wanted a tougher regime, then used the lack of action on climate change to damage Labor at the election. Their flakey economics should have no place in the national debate. We are particularly tired of Greens senator Christine Milne arguing that “green jobs need a real green economy to grow in”. What on earth can she mean?

liebe redakteure des “australian”, was christine milne meint, hat vor über einem jahr bereits die abc erklärt, vielleicht wäre es doch mal ganz gut, ab und an die webseiten der konkurrenz aufzusuchen.

fakt ist, wie “the australian” schreibt, dass die grünen die vorschläge zum emissionshandel (damals unter rudd) zurückgewiesen haben – weil es ihnen a)nicht weit genug ging und b) der industrie zu viele zugeständnisse gemacht wurden.da beschweren sie sich in dem text darüber, dass julia gillard keine visionen hat und im gleichen atemzug kanzeln sie die grünen ab, weil die sich für ihre visionen einsetzen. also meine herren, wie sieht es denn so mit den eigenen visionen aus? so ganz innovativ sind die ja wohl auch nicht:

For years, the RBA (=Reservce Band of Australia), like this newspaper, has argued for a comprehensive approach to addressing the infrastructure shortfalls that threaten to constrain national prosperity. Freeing up the bottlenecks, deregulating the labour market to improve productivity and approaching the mining boom as an opportunity, not a threat: these are the goals that should drive the thinking of the Prime Minister and her Treasurer.(…) We believe tax reform equals lower taxes, but we are not sure Labor agrees now that it has to answer to high-taxing Greens and rent-seeking regional independents.

wer diese ideen als basis hat, darf die wirtschaftspolitik der grünen auch gerne als “flakey”, also exzentrisch, bezeichnen. wie es dann überhaupt die ganze partei ist, mit einem schwulen vorsitzenden, der wegen widerstand gegen die staatsgewalt im knast war und sein wahlkampf mit hilfe von social media führt.

mir ist es total gleich, wer hier was denkt. ich finde es sogar lobenswert, dass sich menschen eine eigene meinung bilden. aber war es nicht irgendwann mal so, dass man die bei einem bier im pub dargelegt hat, oder auch auf dem eigenen blog? seit wann ist eine zeitung eine plattform dafür?  ich kann nur mit dem kopf schütteln. darf man das? darf man das wirklich?

nachtrag: ganz grossartigen kommentar dazu hat marieke hardy hier veröffentlicht und media watch, das programm, dass zum häufig (aber nicht immer) die medienaufsichtsbehörde ersetzt, hat hier die gesamte berichterstattung über die grünen im “the australian” dargelegt. nice!

und es ist ein maedchen!

September 7, 2010

17 tage spaeter gibt es eine regierung in australien-und es ist ein maedchen! 76 fuer labour, 74 fuer die liberalen. wir sassen alle vor einem fernseher in der radiostation, um uns die historische rede (zitat tony windsor) der beiden parteilosen anzuhoeren, die das zuenglein an der waage waren. herzlichen glueckwunsch, australien! da kann man nur die daumen druecken, dass die regierung auch haelt. eine umfrage kam am wochenende zu dem ergebnis, dass immerhin ein viertel der bevoelkerung fuer neuwahlen ist.

konferenz-blablabla

September 2, 2010

gestern war ich in melbourne, der grossen stadt. die swinburne university hat ein konferenz zum thema “new news 2010” veranstaltet. im prinzip hat man in australien dieselben sorgen wie in deutschland – leserschwund, auflagenschwund, anzeigenschwund, geldschwund, qualitaetsschwund – nur auf einem kleineren und staerker konzentrierten markt.

bei den meisten panels war die diskussion zu vorhersehbar: eine idee wie man im internet geld verdienen kann, hat auch hier keiner. deshalb habe ich mir nur ausgewaehlte diskussionen angehoert und jetzt habe ich mehr fragen als antworten. die wichtigste: “kann mal einer die tuer vom huehnerstall zumachen, damit das wilde gackern nicht mehr alles uebertoent?”

ein panel hiess: “leadership in journalism”, aber darum ging es nicht, es war “leadership (government) and journalism”. da sassen also der chefredakteur/in von “the age” und “herald sun”, von “crickey.com.au” und “abc” und philosophierten ueber die rolle der medien in der letzten wahlkampagne. dabei haette man das in einem satz zusammenfassen koennen: die medien waren marionetten der politiker. kaum kritisches hinterfragen, keiner hat mal laut geschrien und diese praxis der kontrolle der medien durch die staatsoberen angeklagt. nein, immer fein mit in den wahltourbus eingestiegen. den ganzen wahnsinn hat annabel crab von der abc sehr schön beschrieben. da erklaert der herr von “the age”, dass leser nur noch sachen lesen, die sich in ihrer “comfortzone”, ihrem wohlfuehlbereich, bewegen – aber hallo, die journalisten bleiben doch auch fein in ihrer “comfortzone”. wo sind denn bitte die inhalte, die den leser herausfordern wuerden? alle waren sich sicher, dass die bedeutung des journalisten nicht schrumpft (das muss man ja auch glauben, wenn man in diesen positionen arbeitet), aber ueber die veraenderte rolle haben sie dann nicht diskutiert. die vierte macht im staat sind medienmacher ja wohl schon lange nicht mehr. kleine ego-bestaetigungs-maschinen fuer ihr publikum, und das zu einem guenstigeren preis als jeder irrenarzt (dieser begriff ist nicht p.c. und umfasst psychologen, psychiater, kinesiologen, heilpraktiker, frisoere, beauty salon angestellte, baeckereifachangestellte, bierzapfer und wo die menschen sonst noch ihr herz ausschuetten.)

am ende der veranstaltung, hab ich mich tatsaechlich gemeldet und auf meinem stuhl gewippt. was ich gerne gefragt haette waere dies:

this panel is called “leadership in journalism”. to lead implies that there is an aim you are heading to. you talked about the internet and new ventures and experiments, but i can’t figure out the overall aim. is it just survival of your company or is there a higher aim behind it? or maybe non at all? in short: is there still leadership in journalism?

natuerlich habe ich das mikro nicht bekommen, sondern die grauen herren mit den hemden und die frauen mit den kostuemen. und die haben minutenlang ihr wissen ausgebreitet, was keinen interessierte, um dann zu fragen: “so, what do you think of that?” – und der diskussikonsleiter hatte natuerlich nicht den mumm zu sagen: “sorry, but this is a public forum and we are not here to discuss your personal opinions. feel free to do that with the panelists over a cup of tea later on.” soviel also zu “leadership”.

5 537 217 : 5 537 348

August 31, 2010

red! blue!

red! blue!

 

10 tage nach der wahl gibt es noch immer kein ergebnis. heute hat adam bandt einen deal mit labour gemacht, was bedeutet 73 menschen im roten team und 73 im blauen  – und vier auf der bank. auch in stimmprozenten herrscht gleichstand, fast zumindest, die liberalen haben 131 stimmen mehr als labour. 131 von rund 11 millionen (soviele sind ausgezaehlt , knapp ueber 80 prozent).  

fifty - fifty

fifty - fifty

 

die politikjournalisten und kommentatoren tun mir leid, seit tagen erzaehlen sie das gleiche, muessen nachrichten aus dem hut zaubern, immer wieder dieselben daten analysieren, interpretieren, im hinblick auf dies und das, rueckblickend abwarten. ich trete fuer diese woche in den nachrichtenstreik.

haengepartie

August 21, 2010

australien hat gewaehlt und nichts ist klar. dieses jahr wird sicher beruehmt fuer den langweiligsten wahlkampf, der nie aufhoeren wollte. keine der parteien konnte eine mehrheit im repraesentantenhaus erringen. 150 mandate wurden verlost, 76 ist die magische zahl, und es steht 72:72. und eines fuer die gruenen*, ein paar parteilose und eine hanvoll sitze, bei denen noch alles moeglich ist. in boothby, einem wahlbezirk in meiner naehe, liegt der kandidat der liberalen mit 800stimmen in fuehrung, es muessen aber noch 8000briefwahlstimmen ausgezaehlt werden.
ich hatte mit meinem vermieter gewettet, wie die wahl ausgehen wird. er sah labour knapp in fuehrung, ich hatte auf eine haengepartie gesetzt – und gewonnen.
im grunde genommen aber, gibt es keine gewinner. gillard und abbott werden weiter reden schwingen, um die parteilosen auf ihre seite zu ziehen, um dann eine minderheitenregierung zu bilden.
inwiefern laesst sich eine minderheitenregierung eigentlich noch mit der demokratie vereinbaren? (da aergere ich mich mal kurz, dass ich geographie und nicht politik studiert habe, andererseits habe ich noch viel bessere sachen, ueber die ich mich aergern kann, meinen laptop zum beispiel, der keine lust mehr auf sonntaegliches arbeiten hat, und gegen fruehen nachmittag in den streik getreten ist, weshalb ich diese zeilen auf meinem telefon schreibe – meine persoenliche haengepartie sozusagen)
und da ich bei dieser frage nicht weiter komme und mein lieblingsspielzeug kaputt ist, werde ich jetzt einfach frueh schlafen gehen, um all das zu verdraengen. morgen frueh, wenn ich meinen vermieter in der kueche treffen werde, beim fruehstueck, im radio wird einer der experten erklaeren, das rennen sei noch nicht zu ende und xy treffe grade kj und hat gf versprochen, dann werde ich zu meinem vermieter sagen: “mate, lass den kopf nicht haengen.”

*gestern erzaehlte mir einer petra, von den gruenen, sei bekannt wie ein bunter hund in australien, wegen ihre aktionen damals in den 80ern. und ich: “aber die frau bei den gruenen heisst doch claudia, claudia roth” und er:”nein, petra, petra roth” und ich:”nein, petra roth ist es auf jeden fall nicht.” heute mittag erhalte ich eine sms “petra kelly was her name, i m sad to find out she is dead” – dabei starb sie schon anfang der 1990er.

entdeckungen

August 19, 2010

wahltag

wahltag

 

uebermorgen sind wahlen – und mein gott bin ich froh, wenn sie vorueber sind und man endlich etwas anderes hoert und liest; und ich auch etwas anderes produzieren darf. ich hatte mich ganz gut darum herumgedrueckt, denn die ersten augustwochen habe ich beim australischen pendant des “informationsdienst wissenschaft” verbracht. doch diese woche musste ich dann doch raus auf die strasse. in suedaustralien gibt es zwei sitze, die am wackeln sind. einer davon ist sturt, wo der liberale schatten-bildunsgminister christopher pyne regiert. noch jedenfalls, denn die letzte wahl 2007 hat er nur mit 0.9 prozent vorsprung gewonnen. meine kollegin alice mckinnon und ich haben uns dort mal umgehoert. 

aber ich sehne mich seit geraumer zeit nach neuem input, und waehrend ich in dieser mission im netz unterwegs war, bin ich ueber alte sachen gestolpert. ich habe grade entdeckt, dass einige meiner stories aus dem radio transkribiert worden sind. auf nachfrage wurde mir mitgeteilt, dass es sich bei der seite um eine not-for-profit seite handelt, die irgendeinen deal mit “the wire” , dem current affairs programm von radio adelaide, hat. immer schoen, so etwas erst im nachhinein zu erfahren. aber anscheinend geht es allen freelancern aehnlich. sehr beruhigend, zugleich aber unglaublich desillusionierend und auch etwas traurig, aber voller humor geschrieben, ist der bericht von richard morgan ueber seine sieben jahre freie arbeit. zum heulen wahr ist die zweite seite. 

danach musste ich erst recht weiter im netz surfen anstatt auch nur an irgendeinen job zu denken. dabei bin ich ueber die neuigkeit gestolpert, dass der englische “guardian” jetzt eine wahlversprechen-verfolgungs-application (oder schoen kurz in englisch> pledge-tracker) gestartet hat. na, das ist doch mal toll. hoffentlich importieren das die australischen medienorganisationen, dann koennten sie aufhoeren, waehrend des wahlkampfes das beschuldungsspiel (a.k.a. er war’s – sie war’s) zu spielen, denn jeder koennte nachschauen, welche versprechen die regierung nun erfuellt hat und welche nicht. die politiker faenden das sicher auch toll, denn ich glaube ja, dass sie vor lauter gerede auch ab und an ihre ziele aus den augen verlieren.

der wahlkampf hat begonnen und wie immer ist er nicht schoen. die reden – eine aneinanderreihung leerer phrasen. die laecheln – mit sekundenkleber aufs gesicht gepappt. die politik – zum totlachen.
heute hat die opposition (bestehend aus den liberalen und den nationalen, gemeinsam meist als “coalition” bezeichnet) ein paar details ihres erziehunsurlaubsentwurfs bekannt gegeben. vor ein paar monaten, als labour sich auch drei monate bezahlten erziehungsurlaub festlegte, toente die coalition mit ihr am ruder gaebe es 6 monate. aber seit heute weiss man, dass es diese nur fuer frauen gibt . da sieht man sofort, wie die coalition zur emanzipation steht: frauen an den herd, maenner zurueck an die maschinen. ich hoffe ja, dass viele maenner, deren frauen mehr als sie verdienen, diese angebot der coalition annehmen!
vielleicht sollte ich an dieser stelle auch noch anmerken, dass tony abbott und seine crew nicht sonderlich beliebt sind bei den weiblichen waehlern – weshalb sie jetzt versuchen mit familienwerten zu trumphen (siehe oben) und tony seine, gottgebene und gesegnete, frau mit zum wahlkampf schleift, waehrend frau gillard ihren tim fein zu hause laesst – zu recht, denn nett laecheln kann sie ja auch ohne hilfe.
was haben wir also zusammengefasst: wenn abbott die wahl gewinnt und gillard dann doch ihren (dann erwiesenermassen landesweit akzeptierten) weg einschlaegt und ihren tim heiratet und die beiden eltern werden, und tim dann nach dem kleinen schreihals schaut, waehrend sie wieder im parlament sitzt, bekommt der frisoer das gehalt der parlamentarierin!
gillard kann also nur gewinnen.