wir, die am unteren ende

August 25, 2010

waehrend meines auswahlgespraechs bei der studienstiftung wurde ich gefragt, warum in zwanzig seiten bewerbungsunterlagen, mein sohn nur an zwei stellen auftauche. das gleiche koennte man fragen, nachdem man die eintraege dieses blogs gelesen hat. ich antworte mit einer gegenfrage: steht meine arbeit mit meiner rolle als mutter in zusammenhang? natuerlich wuerde ich das vehement verneinen. indes: heute ist mein sohn krank, liegt in meinem bett, schwitzt vor sich hin und jammert, wenn er wach ist. an arbeit ist nicht zu denken, denn babysitter (ausserhalb der kernfamilie) sind unbezahlbar. aus reiner neugierde habe ich den nannyservice aus dem telefonbuch angerufen und gefragt, wie hoch der satz ist: je nach ausbildung, anfahrt und schulung von 80 dollar aufwaerts. na danke!

erst vor ein paar tagen gab es mal wieder einen text ueber uns arme alleinerziehende. den gibt es ja jedes jahr mal und mein gott, was wuensche ich mir grade alleinerziehend in deutschland zu sein. da ist der babysitter jedenfalls erschwinglich, weil es das nachbarskind von oben macht, dass sich fuer arbeitsgesundheitsauflagen und haftpflichtversicherung nicht interessiert.

natuerlich fuehre ich mich selbst hinters licht, wenn ich behaupte, mutter sein und journalistin sein beeinflusse sich nicht. ich würde zum beispiel nur äußerst ungerne über erziehungs-hick-hack schreiben. ich finde man kann das recht schnell zusammenfassen: einer sagt a, der andere sagt b. und am ende macht jeder was er will.

mein freundliches anhaengsel beeinflusst auch meinen aktionsradius. denn seien wir mal ehrlich: alleinerziehende ziehen ihre kinder nicht wirklich alleine gross. das waere ja wahnsinn! da gibt es den kumpel, der mit dem kleinen fussball spielen geht, und die freundin, die ihn mit ins kino nimmt, und der onkel, mit dem er fischen gehen kann, und die oma, die ihn mit suessigkeiten vollstopft. da gibt es jede menge leute – und ohne die waere das leben nicht machbar. das heisst, ich kann nur dahin gehen, wo genuegend freunde sind. deshalb sitze ich nun in australien (weil ich hier schon mal gelebt habe und ganz viele fleissige helferlein habe), anstatt mich in amerika mit der richtigen weltpolitik zu befassen. in australien steht die welt still. genauso wie in buxtehude und all den anderen käffern – nur, dass hier der strand vor der tuer liegt und delfine auf den wellenreiten. es lebt sich doch viel besser in armut, wenn das drumherum jedenfalls was her macht.

ohnehin möchte ich keine fuenf tage die woche arbeiten gehen, selbst wenn es mich unglaublich reich machen wuerde. vier tage, und keine minute mehr. vier tage arbeit, zwei tage fuer das kind, und einen tag egoist. so wuerde es gehen, so muesste es sein, um dem zur-maschine-werden vorzubeugen. denn wenn man erstmal zur maschine mutiert ist, dann nuetzt einem auch all das geld nuescht. aber wo gibt es so einen job ? deshalb gehe ich der (leicht sadistischen) freien arbeit nach: australien? viel zu weit weg vom geschehen… australien? wenn dann bitte was mit dem great barrier reef und aborigines, am besten beides in einer geschichte… australien? gehört immer noch zu england, oder?

frei arbeiten heisst naemlich auch frei nicht-arbeiten. letzte woche haben mein sohn und ich gemeinsam geschwaenzt. er die schule, ich meine pflicht. wir sind an den strand gefahren, ich habe meinen gedanken beim verrueckt werden zugehoert, er hat versucht vor den wellen wegzurennen, dann haben wir eine sandburg gebaut und als das meer begann, sie anzunagen, haben wir sie kaputt gemacht. sind mittenrein gesprungen in die welt, die wir zuvor erschaffen hatten. das leben hat keinen sinn, da kann man jedenfalls noch spass haben, egal an welchem ende der leiter.

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