neugierde

June 13, 2010

wombat by guillaume dargaud

wombat by guillaume dargaud

ich mache mir jede woche gedanken darüber, was ich gerne über andere journalistenkollegen lesen würde, damit ich daraus ableiten kann, was ich hier schreiben könnte. man schließt ja immer gerne von sich auf andere. ich würde am liebsten über andere lesen, wo sie ihre ideen her nehmen. allerdings ist genau das etwas, was ich selber gar nicht beantworten könnte. die frage hört sich ja schon an, als wäre es eine anklage von frau mutter persönlich “wie bist du denn auf DIE idee gekommen?” und meine antworten hören sich auch an wie faule ausreden: ist mir heute beim aufstehen eingefallen, bin ich drüber gestolpert, hat mir jemand erzählt und dann habe ich gedacht, und so weiter. ich kann also nichts über ideenfindung schreiben.

was würde ich denn gerne von einem anderen journalisten wissen, der im ausland lebt? ein paar seltsame geschichten, über dinge die man als selbstverständlich ansieht, aber im ausland feststellen muss, dass sie wahrer luxus sind. ich zum beispiel finde es selbstverständlich maximal 7 minuten auf den bus zu warten. hier in adelaide sind sie stolz, wenn der bus alle 20 minuten kommt (aber das gilt nur wochenentags). da steht dann ganz groß auf den schildern drauf: “only 20minutes max wait”. ich habe mir nun angewöhnt überall hinzulaufen, denn in 20 minuten kann man die gesamte innenstadt erlaufen. ich bin vor kurzem sogar von der innenstadt nach hause gelaufen und habe knapp unter einer stunde gebraucht. aber das ist eine nicht besonders exotische geschichte. der öpnv hat aber etwas exotisches zu bieten: die o-bahn. das ist eine kreuzung aus omnibus und bahn, es ist ein bus, der in schienenartigen spurrinnen fährt. innerhalb der stadt ist es ein bus, aber wenn er in einen tunnel am innenstadtrand hineinfährt, dann klappen sich kleine rädchen neben den reifen heraus, und die führen den bus in eine fahrrinne. die o-bahn ist mit abstand die schnellste variante, um in die vororte zu kommen. wenn das ganze mit solarbussen betrieben wäre, dann wäre es sicher auch die umweltfreundlichste methode. okay, exotisch ist das auch nicht, nur etwas seltsam.

exotisch wäre irgendetwas mit känguruhs und koalas und surfern und haien und aborigines. irgendetwas, was die klischees bestätigt und noch etwas ausbaut. das wäre aber auch vorhersehbar und langweilig. tiergeschichten mache ich nicht. koalas schlafen 23 stunden des tages – was will man da aufregendes entdecken. es wäre schön, wenn ein wissenschaftler anhand eines koala-ekgs auf koala-träume schließen könnte. geht aber (noch?) nicht. känguruh sehen aus der nähe etwas dämlich aus. sie benutzen ihren schwanz ungefähr so wie wir eine brunnenpumpe: wenn ein känguruh durch die gegend hüpft, dann sieht es immer so aus, als würde es sich mittels seines schwanzes in die luft hochpumpen, es nicht schaffen und wieder auf den boden plumpsen. aber das ist nur meine eigene meinung. es gibt jede menge menschen, die sich von diesen braunen augen mit den langen wimpern und dem lieblichen blick hinreißen lassen (anmerkung an mich: herausfinden, ob man hier anstatt “rehaugen” “känguruhaugen” sagt.). meine liebsten tiere sind wombats, die sehen aus wie dicke würstchen mit fell. und ich mag würstchen und ich fände es traumhaft, wenn würstchen laufen könnten und sich durch ein fell auf der perfekten esstemperatur halten würden. von mir also keine tiergeschichten.

surfer? hahahaha! grade ist nicht mal strand da. unten am strand von glenelg ziehen bagger und walzen ihre runden, um den strand umzugraben und neu aufzubauen, für den nächsten sommer. der natürliche strand besteht aus steinen und geröll. ohnehin surft in glenelg keiner, da sind die wellen so hoch wie in der badewanne. nee, nee, keine geschichten von muskelbepackten surfern mit ausgebleichten haaren. aber wie wäre es mit rugby spielern und gangrape geschichten?

dann also aborigines. der übergang ist sehr passend. vom gangrape zu den aborigines. der gemeine australier hat selten gutes über aborigines zu sagen. das ist nicht allzuschwer herauszufinden, es genügt, sich die kommentare auf seiten der größeren zeitungen anzuschauen. ich musste vor ein paar tagen diesen text lesen, und fand die kommentare darunter doch sehr interessant, um es mal höflich auszudrücken. (alistair nicholson, der autor, sagt, er lese die kommentare gar nicht mehr.) das multikulturelle australien hat probleme mit dem multikulti, und davon nicht zu wenige. nicht nur mit den aborigines, die auf dem untersten stufe der sozialhierarchie angesiedelt sind, sondern auch mit den asiaten. wer einen asiatischen nachnamen hat, hat eine geringere chance überhaupt zu vorstellungsgespräche eingeladen zu werden bei gleicher qualifikation wie ein “mister smith”. immerhin: die asiaten leben in chinatown, die aborigines leben in knast – so ungefähr.

soviel zu den australischen klischees.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: