minus / plus

December 18, 2009

draußen ist es so kalt wie in meinem tiefkühlfach, die hälfte des tages bin ich blind: die schneeflocken schmelzen auf meiner brille; flüchte ich nach drinnen, beschlagen die gläser; putze ich sie mit dem zipfel meines t-shirts, bleiben schlieren.

schlieren” ist auch ein englisches wort – wie man es wohl ausspricht? ich werde gleich fragen, wenn ich in vier wochen in adelaide lande. andererseits will ich es auch gar nicht wissen, denn ich weigere mich, deutsche wörter englisch auszusprechen. da müsste ich nämlich bei meinem namen beginnen, und der klingt auf englisch vollkommen unerotisch. also sage ich weiter “pia” und die menschen am anderen ende der leitung verstehen “pierre” und sind verwundert, wenn ein paar tage später eine frau vor ihnen steht. aber das weiß ich, wie auch so einiges andere, das mich erwartet: temperaturunterschied zu deutschland im januar ungefähr 50 grad celsius, weißbrot auch in der deutschen bäckerei und jede strecke unter 500 kilometer bezeichnet man als kurz.

die einzige tageszeitung in adelaide heißt “the advertiser” und gehört zu murdochs medienimperium, wie auch die hälfte aller anderen tageszeitungen, die in australien erscheinen, die andere hälfte gehört zur fairfax holding, es gibt noch ein paar kleiner player in den ländlichen gebieten – aber australiens zeitungsmarkt ist einer der monopolisiertesten der welt, die qualität dementsprechend.

dafür hat australien neben den privaten tv-sendern, die ähnlichen schund produzieren wie man es auch aus deutschland kennt, noch eine art “arte” für einwanderer, den special broadcasting service (SBS). da gibt europäische filme in originalton, solche die man sonst nur im programmkino findet. und natürlich serien. bei besonders großem heimweh kann ich mir dann “inspector rex” a.k.a. “kommissar rex” ansehen und mich darüber amüsieren, dass es keine adäquate übersetzung für “semmel” gibt.

aber ich gehe davon aus, dass es nicht so weit kommen wird. denn bevor ich den fernseher anstelle, höre ich lieber radio. ich gestehe: ich war in deutschland kein großer radio-fan, der künstlich-fröhliche ton der moderatoren war mir zu anstrengend, die witze zu plump, spontanität nicht vorhanden und die musik absolut unerträglich. ja, ich weiß, es gibt auch noch die kultursender – die sind auch super, nehmen aber immer meine komplette aufmerksamkeit in anspruch und wenn ich auto gefahren bin und deutschlandradio gehört habe, habe ich mich schon manchmal gefragt, wie ich es denn eigentlich zu meinem zielpunkt geschafft habe.

wenn ich in australien radio höre, habe ich jedenfalls nicht das gefühl entweder meinen ganzen intellekt brauchen zu müssen, oder denselben im klo runterspülen zu müssen. mein lieblingssender ist “triple j” (ist das bereits PR? oh gott, verletzte ich hier die leitlinien meines berufsbildes?) – laut selbstbezeichnung ein sender für die jugend. aber dann finden sich in den “hottest top 100 of all time” joy division, led zepplin und jimi hendrix. viel interessanter ist aber, was man dort nicht findet: kein schnappi, kein schnuffel, kein grand prix (stattdessen auch noch echten witz und gespräche, die nicht wie abgelesen klingen – aber wer weiß, vielleicht kommt das nur mir, als ausländer, so vor…). früher, vor 15 jahren, gab es auch in deutschland, bei den öffentlich-rechtlichen radiosendern, über die weihnachtstage noch drei tage musik am stück. wieso ist das eigentlich abgeschafft worden?  mit dieser frage verabschiede ich mich, um mich in meinem persönlichen musikarchiv zu verlieren und wünsche gute nacht!

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